Die erste Mahlzeit am Tag – der Spanier und das Frühstück

Desdejuni heißt des Katalanen erste Nahrungsaufnahme zu Tagesbeginn, desayuno sagt der Spanier, und meint das gleiche. In der letzen Woche machte die Mitteilung in der Presse die Runde, dass gerade einmal 7,5% der spanischen Schulkinder zwischen dem dritten und zwölften Lebensjahr ein klassisches Frühstück, wie es Ärzte und Ernährungsberater gerne sehen, zu sich nehmen. Der Rest verzichtet, oder übernimmt bestenfalls die spanische Tradition des spanischen Frühstücks. Und – gemäß dieser Tradition - findet das außer Haus statt.

Das trifft auf beinahe alle Spanier zu, die nach dem Aufstehen meist mit leerem Magen sich auf den Weg ins Tagesgeschehen begeben. Ein hastiger Schluck Kaffee muss reichen, und tut er dies nicht, so folgt dem ein Glas Anis-Schnaps, um die müden Geister am Morgen wach zu rufen. Letzteres ist nicht etwa der allmorgendliche Griff Alkoholabhängiger zur Flasche, sondern eine durchaus übliche – wenn auch heftige – Methode den nötigen Schub in den Tag zu erhalten.

Der erste Hunger wird in der cafetería gestillt, in aller Regel nicht mit einem gesunden Müsli, sondern mit süßem Fettgebackenem, einem churro etwa, oder einem porra. Das französische Croissant hat Platz genommen, auf spanischen Frühstückstellern, con chocolate oder sin chocolate. Damit nicht genug der wenig gesunden Starters in den Tag. Wer eine vitaminreiche, ausgewogene, ballaststoffreiche Abwechslung sucht, der hat so seine Schwierigkeiten. Eine tostada, auf der plancha geröstet, was nichts anders ist als ein Weißmehllastiges Toastbrot auf dem Brateisen geröstet, mit mantequilla y mermelada (Butter und Marmelade) kann noch gereicht werden, auch ein „gerösteter Schweizer“ ist im Angebot (suizo a la plancha), hinter dem sich auch nicht viel anders versteckt, als ein andalusisches – ebenso nährstoffloses – Brötchen. Der Brotverwöhnte Deutsche kann da schon einmal hilflos im Abseits stehen, denn auch die, gerade auf den Balearen so beliebten, magdalenas, die zuckrigen Hefeschnecken, oder die länglichen Biskuitkuchen, die sobaos, sind nicht unbedingt eine gesunde und leichte Alternative.

 Ab 11 Uhr meldet sich in der Regel der erste kleine Hunger und die Spanier strömen in die Kaffeehäuser, Bars und eben jene Cafeterias, um im ununterbrochenen, lebhaften und lauten Miteinander die erste Mahlzeit gemeinsam zu genießen. Viele Cafeterias bieten in der Zeit zwischen 11 und 12 Uhr mittags, spezielle Frühstücksangebote an. Eine Zeit, zu der unsereins sich schon die ersten Gedanken zum Mittagessen macht. War es früher noch die chocolate, die gerne dazu bestellt wurde, so hat hier der café solo oder café con leche, der braunen, dickflüssigen Trinkschokolade den Rang abgelaufen. Einen gesunden Lichtblick gibt es aber doch auf spanischen Frühstückstafeln: Der frisch gepresste Orangensaft, el zumo de naranja, ist in vielen Frühstücksangeboten inklusive.
Diejenigen, die zur etwa gleichen Stunde sich ein reichhaltiges und kräftiges Frühstück gönnen, gerne auch mit Glas Wein oder Bier, outen sich dergestalt, als Schichtarbeiter, die bereits ein mehrstündiges Arbeitspensum hinter sich haben. Hier steht der reichhaltig belegte bocadillo hoch im Kurs.

 

Churros y chocolate

Das frittierte Spritzgebäck mit der dickflüssigen Schokolade, zählt von Alters her als beliebter Start in den Tag. Die süßen Gebäckstangen, die churros, oder in der kräftigeren Variante, die porros, werden in den eigens dafür gedachten Churrerías, mit Hilfe spezieller Frittiermaschinen hergestellt. Dazu gehört, will man die Tradition wahren, el chocolate, die Schokolade in dickflüsssiger Form – chocolate espeso -, in die der kalorienverdächtige Gebäckriegel eingetaucht wird. Der Spanier bereitet seine Trinkschokolade nicht etwa aus Kakaopulver zu, sondern – nach alter Sitte, mit Wasser und einer speziellen Schokolade, ähnlich der der Kouvertürenschokolade, so wie Maismehl zu. Je mehr Maismehl zugefügt wird, desto sämiger und damit besser, gelingt die Zubereitung.

 

Kaffeesorten hingegen gibt es viele. Der café solo ist der schwarze Muntermacher, der auch gerne nach dem Essen gereicht wird. Der cortado, den der Katalane tallat, (geschnitten) nennt, wird in kleine Espressotassen gereicht und weckt in der Regel Tote auf.
Leche manchada läuft im weitesten Sinn unter der Bezeichnung Kaffee. Übersetzt spricht man von einer „befleckten Milch“, woraus schnell klar wird, dass es sich in erster Linie um Milch mit einem kleinen „Fleck“ Kaffee handelt. 
Café con hielo, Kaffee mit Eiswürfeln ist etwas für die heißen Tage. Ein Glas wird mit Eiswürfeln gefüllt und gezuckerter Kaffe darüber geschüttet, also kein Vergleich mit dem kalorienhaltigen, unsereins bekannten Eiskaffee.
Der café del tiempo ist nichts anderes als café con hielo, allerdings wird noch eine Zitronenscheibe zugefügt. El café del tiempo gilt als Wunderwaffe gegen einen verkaterten Brummschädel.
Der café canario ähnelt dann beinahe deutschen Kaffeegewohnheiten. Ursprünglich auf den Kanaren beheimatet, wird er mittlerweile auch im restlichen Spanien getrunken. Es handelt sich um einen starken, schwarzen Kaffee mit einem Schuss schwerer, süßer Kondensmilch.
Größter Beliebtheit allerdings erfreut sich auch in Spanien, ähnlich wie in Deutschland und Frankreich, der café con leche, el cafè amb llet, wie die Katalanen sagen, oder eben der gute alte Milchkaffee: Der kleine, schwarze Kaffe, der am Tisch von dem Kellner mit Milch aufgegossen wird.

 

Des Spaniers liebstes Nahrungsmittel – el pan, das Brot – eine Randerscheinung auf dem Frühstückstisch

Brot symbolisiert Geselligkeit. Am Tisch zusammen zu sitzen, ohne dabei den Brotkorb herumzureichen, ist eine schier undenkbare Vorstellung. Brot ist ein tägliches Muss in Spanien. Nur eben nicht zum Frühstück. Das unterscheidet den Spanier und den Deutschen explizit voneinander. Brot begleitet schmackhafte Tapas, nimmt köstliche Soßen auf, ist aber keine – und das ist der zweite deutsche Gegensatz – Beilage zur Suppe.

Der Spanier hat keine Schwierigkeiten, pro Tag ein Kilo Brot zu vertilgen. Allerdings handelt es sich hier in erster Linie um Weißbrot. Dennoch gewinnen die Vollkornsorten immer mehr Raum in den Bäckereien. In Katalonien ist ein schmackhaftes Bauernbrot, el pa de pagès, die gesündere Alternative zum Weißbrot. Die Katalanen lieben ihre Traditionsspeise pa amb tomàquet, indem sie das Landbrot in der Pfanne rösten und mit Olivenöl und frischen Tomaten einreiben. Wer mag fügt Knoblauch hinzu. Weitere Ergänzungen sind Schinken, Käse oder die tortilla, die herzhafte Eierspeise, ähnlich einem Omelette.

Die katalanischen llonguets, die länglichen Brötchen, aus dem Holzkohleofen, sind eine weitere, herzhafte Spezialität. Wer sich allerdings zum Frühstück ein bocadillo bestellt, der sollte schon mehr, als nur den kleinen Hunger haben. Die ehemalige schnelle Speise der armen Leute, hat sich heute zur Kultspeise für zwischendurch gemausert. Es gibt sie in jeder Kneipe, in jeder Bar, in der Regel reichlich belegt und oft in der Größe eines ganzen Baguettes. Ob gekochter oder roher Schinken, chorizo, die würzige Paprikawurst, bis hin zu warmen Fleisch oder Fisch, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Wenn Ihnen das zuviel des Guten ist, bestellen Sie besser die feinere, kleine Variante, die montaditos. Dies sind lecker belegte Baguettescheiben. Auch hier ist die Auswahl grenzenlos. Montaditos werden mit Lachs (salmón) belegt, geräucherten Sardellenfilets (anchoas ahumadas), queso Brie (Briekäse), frittiertem Seehecht (merluza frita). Blutwurst (morcilla) Manchegokäse, Schinken (jamón) tortilla und vielem mehr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 



Hier finden Sie weitere Infos und Ratgeber
zum Thema:

 



Hier finden Sie die Nachrichten aus
unserem Archiv

Wochen 2007
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
52
53