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ACHTUNG GIFTIG!
Der Bahia-Blick-Leser kennt sie bereits. Ich habe oft vor ihr gewarnt. Die Rede ist von der Raupe des Prozessionsspinners, la processionària, wie sie hier in Katalonien genannt wird. Es sind auch private Gründe, warum ich immer wieder auf die Gefahr hinweise, die von ihr ausgeht. Vor beinahe genau fünf Jahren musste ich vor einer solchen Raupe kapitulieren. Einer meiner Hunde kam mit der Raupe in Berührung, und die Folgen waren fatal. Der Kopf schwoll an, ebenso der gesamte Rachenbereich und die Zunge. Innerhalb kurzer Zeit verfärbten Rachen und Zunge sich schwarz, der Hund stand unter Schock, bewegte sich nicht mehr. Der schnelle Gang zum Tierarzt brachte die Diagnose einer schweren Entzündung, auf Grund der Kontaktaufnahme des Eiweißgiftes Thaumatopoein. Eine Woche kämpften wir, vergeblich. Nach acht Tagen Hoffen und Bangen versagten die Nieren, und wir mussten kapitulieren. Ich wünsche Ihnen und Ihren Vierbeinern, dass Ihnen Ähnliches erspart bleibt. Daher hier einige Informationen zu dem giftigen Kriechtier, das sich meiner vollen Aufmerksamkeit bewusst sein kann, diesmal aber mit fatalen Folgen seiner selbst. Die weißen, watteartigen Nester in den Pinienbäumen, sind Ihnen bestimmt schon vor Wochen aufgefallen. Dank des milden Winters konnte la processionària sich in diesem Jahr prächtig entwickeln und vermehren. Sie stellt zurzeit eine der schlimmsten Plagen im Land dar. Nicht nur dass sie vorzugsweise junge Pinien und Kiefern schadet, sie ist zudem noch eine echte Gefahr für Mensch und Tier. Im Januar schlüpfen die Larven, die in großen Kolonien in den Baumnestern leben, und sechs Entwicklungsstufen durchlaufen. Ihren Namen verdanken die Prozessionsraupen ihrer Angewohnheit, in den Abendstunden ihre Nester zur Nahrungssuche zu verlassen, indem sie in einer langen Reihe hintereinander sich auf den Weg machen. Sie können sich dabei allein auf ihren Tastsinn verlassen. Darum der bemühte Kontakt zu dem Vorgänger. Und genau diese Zeit, Ende Januar bis April, ist die Zeit in der die Raupen uns gefährlich werden können. Diese Gefahr geht von den Brennhaaren aus, den so genannten Setae aus, die sich im dritten Larvenstadium gebildet haben. Sie enthalten das gefährliche Eiweißgift Thaumatopoein. Sie sitzen auf den Abdominalsegmenten der Raupe und können, bei Gefahr, aktiv ausgeschleudert werden. Bis zu 600.000 dieser giftigen Katapulte besitzt der Unsympath. Diese Brennhaare, das weiß ich aus eigener Erfahrung, tragen ihren Namen zu Recht. Sie lösen stärksten Juckreiz und Hautrötungen aus, die oft tagelang anhalten. Es reicht eine kurze Berührung mit dem Tier, mit dem Nest oder auch die unmittelbare Nähe. Da Schleimhäute von Mund und Nase besonders empfindlich sind, sind Tiere extrem gefährdet. Besonders der Hund, der mit der Nase am Boden die Welt erkundet. Sollte gerade in dieser Zeitspanne, Ihr Hund sich ständig seine Nase reiben, oder mit dem Kopf über den Boden reiben, fackeln Sie nicht lange. Achten Sie auf Kopf und Zunge des Hundes, schwellen diese an, gilt als erstes Hilfsmittel nur, mit viel (sehr viel) lauwarmen Wasser die betroffenen Regionen abspülen. Reiben Sie nicht! Und geben Sie Acht auf ihre Hände und Arme. Suchen Sie anschließend sofort den Tierarzt auf. Je schneller desto besser. Schwerwiegende Krankheitsbilder wie, Schock, Astmaanfälle, schwere Augenentzündungen, Erstickungsgefahr, Schwindel und Fieber, und nicht zuletzt Schlimmeres, sind die Folgeerscheinungen des Kontaktes mit den Brennhaaren. Dem vorbeugen können Sie, indem Sie in dieser Zeit Regionen mit einem großen Pinienbestand meiden. Das ist aber in Katalonien nicht so einfach, Auch im heimischen Garten, oder in dem des Nachbarn, kann eine Pinie bewohnt sein, und eh sie sich versehen, haben Sie den ungebetenen Besuch vor Ihrer Haustüre. Bekämpft werden die Raupen mit Spezialgiften. Andere Insektizide sind wirkungslos. Haben Sie eines der Nester in Ihrem Garten, versiegeln Sie diese mit einem Sprühkleber. Das verhindert ein Ausstreuen der Millionen von Brennhaaren, die sich an den Nestern befinden. Anschließend entfernen Sie die Nester und verbrennen sie. Hierbei ist Schutzbekleidung unbedingt erforderlich. Das ist die einzige Lösung im Kampf gegen la processionària. Praktisch unlösbar ist das Problem der langen Haltbarkeit der Brennhaare. Sie sind auch Jahre danach noch aktiv, was die Erklärung dafür ist, dass manche Menschen und Tiere auch außerhalb der Raupenzeit erkranken können.
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