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DIE ECKE FÜR DEN TIERFREUND

Die Alternative zum Fertigfutter – naturgemäße  Ernährung –
roh oder gekocht?

Letzte Woche haben wir einen kritischen Blick auf die Fertigfutterherstellung geworfen. Bei näherem Hinschauen kam so manches zu Tage, was man nur schwerlich hinter den markigen Versprechungen von saftigen Fleischbrocken und frischen, gesunden Zutaten entdecken konnte. Bleibt die Frage, was mache ich, will ich meinen Hund artgerecht und naturgemäß ernähren? Wo liegen die Bedürfnisse? Gebe ich dem viel besprochenen Karnivoren Hund ausschließlich Fleisch? Gebe ich es roh, oder folge dem Rat das Fleisch unbedingt abzukochen?

Was versteht man eigentlich unter dem Begriff naturgemäß beim Hund?

Eine Antwort darauf kann man nicht in ein paar Sätzen finden. Für die Verhaltensforschung war und ist es immer wichtig, möglichst viel vom „naturgemäßen“ Verhalten des Wolfs zu erfahren. Über diesen Umweg findet man auch etwas über die natürlichen Lebensbedingungen des Hundes. Die Forscher haben dabei allerlei Erstaunliches entdeckt, unter anderem auch dass die Ernährung der Wölfe, je nachdem wo sie leben, sehr unterschiedlich sein kann. Sie hängt zum einen von dem ab, was sie erjagen. Das heißt, das Angebot bestimmt die Nachfrage. Hat das Rudel Pech und es besteht keine Aussicht auf eine große Beute, gibt er sich auch mit anderem Essbaren zufrieden. Das sind im günstigeren Fall Hasen oder Kaninchen, aber wenn die Zeiten schlecht sind, ist der Wolf nicht wählerisch und greift zu Kleingetier, Aas, Fische, Krebsen  oder – wenn nötig – auch zu Schnecken und Heuschrecken. Im Wolfskot fanden Forscher auch Reste von Blättern, Fichtenteile, Gras und allerlei Beeren.

Auch Hunde sind dem Verzehr von fleischloser Kost von Hause aus zugetan. Äpfel, Feigen, Möhren, Pfirsiche, Aprikosen, Weintrauben und vieles mehr nimmt Ihr Vierbeiner gerne zu sich. Von der Vorliebe für Schafskot  - und ihrem tieferen Sinn- habe ich bereits im voran gegangenen Bericht „Ein Grund zum Knurren, oder was ist Fertigfutter“ berichtet. Würde der Mensch nicht oft von vornherein den kapitalen Fehler machen und von sich auf den Hund schließen, will heißen zu glauben, was er gerne isst, muss auch für den Hund gut sein, oder eben ein Hundeleben lang auf ein Getreide-Basierendes Fertigfutter setzen, gäbe es viele Krankheiten wie Allergien, Hautprobleme Verdauungsprobleme, Magenerkrankungen, Immunschwäche, Nieren – und Lebererkrankungen nicht. Ebenso wenig gäbe es übergewichtige Hunde.

 

Meist übernimmt der „Hundeanfänger“ irgendeine, ihm vom Züchter, Bekannten oder der Nahrungsmittelindustrie empfohlenen Ernährung, oder er füttert den Hund mit den Resten seiner eigenen Mahlzeiten. Solange der Hund gesund ist, und – oft mehr als genug – wächst und zunimmt, macht man sich keine weiteren Gedanken. Spätestens bei einer auftretenden Erkrankung wird der Hundebesitzer dann mit einer Vielzahl von Begriffen konfrontiert: Mangelerscheinungen, Futtermittelallergie, Unverträglichkeiten oder Überfütterung. Und spätestens jetzt gewinnt Mensch die Erkenntnis, dass Hund ganz andere Bedürfnisse hat, dass sein gesamtes Verdauungssystem komplett anders gestaltete ist, weswegen er mit unserer Nahrung auf Dauer gar nicht Schritt halten kann. Menschliche Nahrung, in Form von „Essensresten“ haben im Hundenapf nichts zu suchen. Der Hund hat – naturgemäß – ganz andere Bedürfnisse.

Fest steht, dass Hunde von Tieren stammende Futtermittel lieber nehmen, als pflanzliche Produkte. Dazu gehören Eier, Milch und Fisch genauso wie Fleisch und Innereien. Eine reine Fleischfütterung, in dem Willen seinem Hund nur das Beste zu geben, womöglich auch noch mit dem guten, mageren Rindfleisch, ist somit auch nicht richtig, eben weil nicht naturgemäß. Die Folge wären unweigerlich ein Mangel an essentiellen Fettsäuren, Fett und ein unausgewogenes Kalzium – Phosphorverhältnis. Geben Sie ihrem Hund aus lauter Liebe die von ihm heiß begehrte Leber zu oft, riskieren Sie sogar Vergiftungen. Glauben Sie, in Schlachtabfällen sei alles vorhanden, was Hund braucht, ist das ebenso falsch. Sie sehen, die naturgemäßen Bedürfnisse des Hundes sind unseren in einer wesentlichen Richtung nicht fern: Keine Einseitigkeit in der Ernährung, vielseitig und ausgewogen sollte sie sein! Dabei ist darauf zu achten, dass wir alle wichtigen Nährstoffspeicher zu bedienen: Wasser, Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette, Mineralstoffe und Vitamine. Sie alle zusammen bilden Bausteine von Körpersubstanzen, fördern chemische Reaktionen im Körper, dienen der Verdauung, Wärmeregualtion usw. Einige Nährstoffe sind in mehrfacher Hinsicht wichtig wie z.B. Wasser, näheres entnehmen Sie dem vorhergehenden Bericht „Lebensnotwendigkeit Wasser“. Fuchs und Wolf bedienen instinktiv diese Speicher – gibt ihnen die Natur die Möglichkeit – in einem ausgewogenen Verhältnis. Ihr Ernährungsstrickmuster nachzuahmen, ist für uns nicht machbar, da wir nicht in der Lage sind, unseren Hunden ganze, wildlebende Tiere zu verfüttern. Wir können dieses Manko aber problemlos ausgleichen, indem wir ein paar Verhaltensregeln beachten, und uns einmal intensiv über die naturgemäßen Bedürfnisse informieren.

Das Internet bietet viele Websites und Foren, wo man Rat und Informationen erhalten kann und im Handel gibt es vielschichtiges Buchmaterial zu diesem Thema. Sie werden auf viele interessante Dinge stoßen und bemerken, dass sich sehr viele, scheinbar unlösbare Probleme der Fettleibigkeit, Unterernährung, Immunschwäche, Gesundheit und Verhalten ohne großen Aufwand beheben, oder im besten Falle, grundsätzlich vermeiden lassen. Und noch etwas werden Sie bemerken: Es kostet weder mehr Geld, noch mehr Zeit, noch handelt es sich um ein kompliziertes Prozedere. Im Gegenteil. Die Kosten (einschliesslich des Tierarztes) werden geringer, und bei richtiger Planung, sparen Sie obendrein auch wertvolle Zeit, die Sie dann Ihrem Hund zu Gute kommen lassen können.

 

Rohfütterung, oder doch lieber Selbstgekochtes?

Hier streiten sich die Geister. Ich selbst praktiziere seit einigen Jahren die Rohfütterung, mit einem optimalen Ergebnis für meine Hunde. Die Nahrungsumstellung erfolgte aus „einem Akt der Verzweiflung“. Gaspard, einer meiner Cocker, den ich aus dem Tierheim zu mir genommen hatte, erkrankte nur zwei Tage später akut an Parvovirose, einer hoch ansteckenden Infektionskrankheit, die jungen Hunden im Alter zwischen 2 und 16 Wochen, in kurzer Zeit zum tödlichen Verhängnis werden kann. Gaspard hatte Glück, wohl in vielerlei Hinsicht. Er überlebt nach einem vierwöchigem Kampf, wohl weil er mit schätzungsweise einem halben Jahr schon robuster war und der Cocker an sich eine zähe Rasse ist, weil er einen unbedingten Lebenswillen hatte, sowie einen guten Tierarzt, der die Hoffnung, auch bei Rückschlägen, nicht aufgab.

Nach der Parvovirose allerdings war das Immunsystem extrem geschwächt.  Alles, was ich unternahm, dieses zu stärken, brachte nicht den erwünschten Erfolg. Hautkrankheiten, Allergien, Pilzinfektionen, und ein permanenter schlechter Atem, waren unsere ständigen Begleiter. Da nichts mehr half, beschloss ich Grundsätzliches zu ändern und stellte die Ernährung komplett um. Zuvor informierte ich mich ausgiebig im Internet, kaufte Bücher, und suchte Rat bei denen, die Rohfütterung schon seit Jahren praktizieren. Ich beschloss, nicht nur den dauerkränkelnden Patienten umzustellen, sondern die anderen Gefährten gleich mit. Damit sich der Organismus optimal auf eine neue – jetzt naturgemäße - Ernährung  umstellen konnte, gab es einen Fastentag, den übrigens Mensch schlimmer findet, als Hund. Ich ließ Gaspards Fell bis auf die Haut scheren, die voller Pickel und Pustel waren, mit stellenweise, durch verzweifeltes Kratzen, geöffneten, blutigen Hautstellen. Die Haut behandelte ich fortan mit Propolissalbe, die Medikamente, die seine Allergien und Hautausschläge bis dato nicht geheilt hatten, setzte ich ab.

Dann begann ich die Hunde roh zu füttern. BARF heisst diese Form der Ernährungsmethode für Haustiere (übrigens auch für Katzen) und ist ein Akronym für den amerikanischen Begriff „Born Again Raw“ (neugeborene Rohfütterer), der im Deutschen mit „Biologische Artgerechte Rohe Fütterung“ übersetzt wird.

Roh heißt: rohes Gemüse, Obst Eier, Quark, Joghurt, Hüttenkäse rohen Fisch, rohes Fleisch (kein Schweinefleisch!), rohe Knochen. Das Obst und Gemüse habe ich im Mixer fein püriert, da der Hund all die wertvollen Inhaltsstoffe nur in fein pürierter Form optimal verwerten kann. Ich ergänzte Kräuter und diverse Öle und stellt fest, dass jeder Hund im Laufe kurzer Zeit seiner ganz speziellen Futtervorlieben hatte. Der eine ist versessen auf alles fleischige, der nächste mag Fisch über alles, der dritte bekommt einen genießerischen Glanz in den Augen, bei Quark mit Obst und Honig, dem nächsten schien einfach alles gleichgut zu schmecken. Interessant war zu sehen, dass der älteste meiner damals vier Hunde, der sechs Jahre seines Lebens mit dem vermeintlich guten Fertigfutter ernährt wurde, zunächst wenig mit einem rohen Stück Fleisch anzufangen wusste. Etwas, was ich seitdem immer wieder beobachte: Hunde, die über einen langen Zeitraum aus der Dose oder der Tüte ernährt wurden, zeigen erst einmal ein wenig naturgemäßes Verhalten. 

Ich war zunächst etwas unsicher, ob meine tägliche Nahrungszusammenstellung die oben angegebenen Speicher richtig bediente. Stimmte der Eiweißgehalt, der Fettgehalt, der Anteil der essentiellen Fettsäuren? Stand der Fleisch- Knochenanteil in einem optimalen Verhältnis zu der Gemüse- Obstration? Im Laufe der Zeit wurde ich sicherer. Es ist es gar nicht notwendig, alle lebenswichtigen Nährstoffe bei jeder Mahlzeit zu verabreichen, eine Behauptung, die gerne die Tierfuttermittelindustrie macht. Die Ausgewogenheit findet über einen Zeitraum von mehreren Wochen statt, wie es auch in der Natur passiert. Bei einer rohen, natürlichen Ernährung ist es daher keinesfalls schlimm, wenn ein Hund eine gewisse Zeit etwas einseitig isst, immer vorausgesetzt, man füttert ihn der Regel abwechslungsreich. An ein Strickmuster allerdings sollte man sich halten: Der Fleisch- Knochenanteil überwiegt den Obst- Gemüseanteil entscheidend. Im besten Fall halten Sie in der Woche einen Fastentag ein, mit dem – wie schon gesagt – der Mensch mehr Schwierigkeiten hat, als der Hund. Dann verbleiben noch sechs Tage. Davon erhält der Hund 5x Fleisch und Knochen, und einmal Obst, Gemüse mit Quark oder Hüttenkäse, Öl und Sonstigem. (Auf den genauen Ernährungsplan gehe ich in einem folgenden Artikel ein.) Ich selbst mische häufiger Obst und Gemüse zum Fleisch, dafür in kleineren Rationen.

Gaspard ist inzwischen 5 ½  Jahre alt. Er ist ein glücklicher, stolzer Cocker der seit dieser Zeit nie mehr auch nur irgendein gesundheitliches Problem hat. Ebenso wenig wie seine Gefährten. Die Umstellung auf Rohfutter war also für uns ein toller Erfolg. Viele Menschen stehen der Rohfütterung skeptisch gegenüber. Sie verweisen auf Bakterien, Parasiten oder Salmonellen im rohen Fleisch. (An dieser Stelle verweise ich noch einmal auf meinen Artikel „ Ein Grund zum Knurren – oder was ist Fertigfutter“.) Wem diese Fütterungsmethode zu naturgemäß ist, der kann das Fleisch kochen, allerdings nicht verkochen, sonst gehen die wertvollen Inhaltsstoffe verloren. Das Kochwasser sollte er allerdings mit verfüttern. Oder er friert es vorher ein, sollte dann aber auch unbedingt das Auftauwasser dem Hund mit in das Futter geben, da sonst ebenfalls  wichtige Inhaltsstoffe weggeschüttet würden. Es gibt auch Hunde, die kein rohes Fleisch mögen, für diese Kandidaten sollte man das Fleisch auch dämpfen oder eben kurz kochen.

Wichtig ist, dass keinesfalls Schweinefleisch roh gefüttert werden darf! Wenn man Schweinfleisch füttern möchte, dann immer nur gekocht. Die Aujeszkysche Krankheit, eine für den Hund tödlich verlaufende Infektionskrankheit, wird über den Verzehr von rohem Schweinefleisch übertragen! Ab und zu bekommen meine Hunde auch mal eine Schale ungeschälten, gekochten Reis, der geschmacklich mit Tunfisch und frischen Kräutern verfeinert ist, und den sie als echtes Highlight begeistert verschlingen. Den Sud von gedämpftem Gemüse erhalten sie genauso, wie frisches – wie gesagt – gut püriertes Gemüse und Obst.  Auch im Hinblick auf rohe Eier streiten sich die Geister. Das Eiklar enthält Avidin, das Biotin bindet und dessen Resorption verhindert, sollte nicht roh gegeben werden. Egal ob gekocht oder nur das rohe Eigelb, die Schale sollte auf jeden Fall mit in den Pürierer wandern. Sie ist ein ausgezeichneter Kalziumspender.

Ein paar Kleinigkeiten gilt es zu beachten, Nachtschattengewächse wir Tomaten und Auberginen oder blähendes Gemüse wie Kohl, ebenso rohe Kartoffel oder Zwiebel, landen nicht im Futternapf, Knoblauch allerdings schon, und  ein Löffel von der frischen, selbstgemachten Tomatensuppe, kommt auch dem Hund zu Gute. Sie sehen, akribisch halte ich mich nicht an die Rohfütterung, aber sie bestimmt zu 97% unsere Basis. Ich werde in den nächsten Berichten ausführlicher auf diese Ernährungsform eingehen. Wenn Sie direkte Frage haben, so schreiben Sie, ich werde mich gerne bemühen, Ihnen behilflich zu sein.

Ein täglicher, schöner Nebenaspekt dieser gesunden, abwechslungsreichen Ernährung ist es, die Freude meiner Hunde zu beobachten. Die jeden Tag etwas anders in ihrem Napf finden. Ihr glänzendes Fell, die blitzenden Augen, die weißen Zähne die lustvoll die Knochen knacken, oder ganze Fleischstücke zerreißen, ihre Vitalität und Lebensfreude pur zu genießen, das gibt auch mir immer wieder ein einfach gutes Gefühl.
S.H.

 

 

 

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