Angelikas Blog

unter diesem Titel bringen wir in unregelmässiger Folge Berichte, Kommentare, Glossen und spanischen Sprachunterricht von Angelika Eisenführ.

Wenn Sie Fragen zur spanischen Politik, Geschichte oder Landeskunde allgemein haben,
setzen Sie sich mit ihr in Verbindung! Viele von Ihnen kennen Sie ohnehin als langjährige Redakteurin bei AMIGOS und ARENA. Ihre Daten sind: Telefon 972 45 10 51, e-mail eisenfuehr@empuria.info und notfalls Handy 676 067 019.


 

Hurra, ich lebe noch!


Eigentlich sollte es ja jedem klar sein, wenn er morgens die Augen öffnet und sich in eben dem Bett wieder findet, in das er am Vorabend gekrochen war: ICH LEBE NOCH!

Aber in Spanien, dem Land des Absurden par excellence, sieht das gelegentlich ganz anders aus. Ich war von reizenden Kunden, die ich seit vielen Jahren betreue, zum Mittagessen in einem der besten Restaurants von Ampuriabrava eingeladen und gab mich genüsslich dem vorzüglichen  Mandarinensorbet hin, als eine wirbelige Person in das Lokal stürmte, mich mit festem Handgriff vom Stuhl riss und  mit Küssen überschüttete: „Ein Glück, liebste Angelika, dass Sie noch leben!!!“ Offenbar hatte im Ort das Gerücht die Runde gemacht, die streitbare Frau Eisenführ sei verstorben. Ob meine verschworenen Feinde – davon habe ich zwar wenige, aber sie  führen sich umso penetranter auf, je weniger ich sie beachte, - das herbeigesehnt hatten oder aus der Tatsache ableiteten, dass mir unlängst eine Dame mein Auto bis zum Totalverlust beschädigt hatte, weiss ich  nicht.
Die wirbelige Person erbat die Erlaubnis, ein paar Fotos schiessen zu dürfen, um vor aller Welt demonstrieren zu können, dass die seit nunmehr 45 Jahren in Spanien ansässige Angelika Eisenführ tatsächlich noch unter uns weilt und sich sogar besten Appetites erfreut!
Gesagt, getan.
Ich erzählte den absurden Vorfall am nächsten Tag einer Kundin, mit der ich zum Notar sollte. Auf dem Weg dorthin sagte diese Dame nur: „das Sie tot seien, hatte ich auch schon gehört“ sich aber offenbar nicht gross darüber gewundert.  Sie sehen: hier bekam der hoch aktuelle Begriff „fake news“ eine spanische Variante.
Angelika Eisenführ

 

 

Königs Geburtstag

Wenn Sie diese Seite  am Montag anklicken, kommen Sie gerade rechtzeitig für meinen Kommentar zum 49. Geburtstag von König Felipe Sexto.

Wer wie ich schon über 40 Jahre in Spanien lebt, verbindet mit dem jüngsten Kind des Königspaares Juan Carlos und Doña Sofía die Vorstellung von einem besonders entzückenden blonden Lockenköpfchen, der in der damals einzigen Gesellschaftszeitung, HOLA, für die Fotografen Spässe an der Schaukel im Garten des Zarzuela-Palastes vollführte.

Davon ist allerdings nichts mehr zu spüren, nicht einmal ansatzweise. Der hochgewachsene Mann, der im Frühsommer 2014 das Königsamt von seinem ebenfalls stattlichen Vater übernahm, ist kaum noch wiederzuerkennen, seit er sich einen grau durchsetzten Vollbart hat stehen lassen. Vielleicht soll der bemänteln, dass sich die königlichen Lippen seit der Heirat im Jahr 2004 immer häufiger zu einem schmalen Strich zusammenziehen, denn es ist ein offenes Geheimnis, dass sich die Vorhersage von Schwiegervater Juan Carlos längst bewahrheitet hat: „Letizia hat nicht das Zeug zur Königin“. Zwei schwere Ehekrisen liegen laut verlässlichen Zeitungsmeldungen bereits hinter dem jungen Paar und das skandalöse Fernbleiben von Doña Letizia bei der jüngsten Vereidigung der Minister der neuen Regierung brachte die Gerüchteküche erneut zum Brodeln.

Letizia, die aus einfachen Verhältnissen stammt, dürfte die Urheberin der meisten Neuerungen im Protokoll des Königshauses sein: der Abschaffung des Hofknickses bei offiziellen Empfängen und  der Abschaffung der Anrede „Majestad“. Ihre Verachtung der Kleiderordnung bei Hofe kam unlängst in geradezu skandalöser Weise zum Ausdruck. Bei einem Empfang, zu dem die Damen der Gesellschaft schriftlich gebeten wurden, „in lang“ zu erscheinen, trat Letizia mit einem kniekurzen, ärmellosen Cocktailkleid an, bei dem zu allem Überfluss auf dem Rücken noch ein tiefer Ausschnitt ihren wenig femininen Körper bloss legte. Wem das königliche Protokoll derartig „am Knie vorbeigeht“ der geht  auch lieber   in zerrissenen Jeans ins Kino, knabbert auf offener Strasse Erdnüsse und wird gelegentlich in vertraulicher Pose mit den Leibwächtern plaudernd angetroffen…

Auch benutzt die ehemalige Nachrichtensprecherin beim spanischen Fernsehen heutzutage reichlich unbedacht ihren Twitteraccount, um mit vermeintlichen oder tatsächlichen Gegnern ihrer Person abzurechnen. So schrieb sie kürzlich – für die ganze Welt in Echtzeit lesbar – ein ihr bekannter Yoga-Kumpel möge sich nichts aus dem negativen Bericht einer landesweiten spanischen Zeitung über dessen Vater machen: „diesem Scheissblatt“. Kein Wunder, dass Don Felipe der Bart grau wird!

Die Mésalliance  gibt natürlich den politischen Kräften jüngster Generation Aufschwung, die die Monarchie in Spanien ganz abschaffen wollen, wie die kommunistisch angehauchte PODEMOS und die vielen neuen Parteien in Katalonien, wobei hier sicher die Faktoren Neid und Missgunst eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

Don Felipe, der von klein auf für seine Prinzenrolle und die spätere Aufgabe des Königs erzogen wurde, hat sich, seit er mit 18 Jahren seine erste öffentliche Rede als Principe de Asturia halten musste, in der Öffentlichkeit nicht einmal einen Fauxpas geleistet oder sonst- wie Vorwürfe der Presse oder des Fernsehens einstecken müssen.

Derzeit hat er es mit drei Problemfeldern zu tun: in aller Kürze wird das Urteil über Schwager Iñaki Urdangarín und somit seiner Schwester Doña Cristina erwartet; Katalonien rasselt – gegen die spanische Verfassung – wieder einmal  mit den Unabhängigkeitssäbeln und zu allem Überfluss kramt die Presse derzeit eine uralte Affäre des abgedankten Königs Juan Carlos mit einem zwielichten Vamp  zweifelhafter Moral wieder aus, obwohl diese mindestens 30 Jahre zurückliegt.

Herzlichen Glückwunsch, Majestät! Machen Sie’s gut!

Angelika Eisenführ

 

 

Warum sind sie nicht im Knast?

„Alle Neune“ hat es erwischt: die gesamte Jordi-Pujol-Sippe beschäftigt eine Riege von Ermittlern der Spezialeinheit für Wirtschaftsverbrechen sowohl in Katalonien wie auch beim Nationalen Gerichtshof in Madrid. Seit mehreren Jahren versuchen die Gerichtsorgane hinter das sagenhafte Vermögen des früheren katalanischen Präsidenten Jordi Pujol und seiner Ehefrau Marta Ferrusola zu kommen, von ihren sieben Kindern zu schweigen, die ebenfalls alle sieben – fünf Söhne und zwei Töchter- kurz vor der offiziellen Anklage wegen Geldwäsche, Veruntreuung, illegaler Provisionen und Korruption stehen. Inzwischen soll es sich nicht „nur“ um Millionen Euro handeln, die der Erstgeborene, wie sein Vater ebenfalls Jordi Pujol geheissen, in aller Welt ergaunert und verschoben haben soll.

Für jeden denkenden Menschen unvorstellbar war bis heute, dass diese Sippschaft bisher völlig unbehelligt geblieben ist: jeder andere, wesentlich kleinere Gauner, wäre längst in U-Haft gelandet. Aber nicht so die Pujolclique. Jetzt hat die Madrider Zeitung ABC den Stier bei den Hörnern gepackt und bereits zwei Titelstories über diese Familie und ihre jahrzehntelangen Machenschaften herausgebracht. Allein in Argentinien sollen „die Pujols so reich und mächtig sein wie die Familie Perón“, so flüstert man sich dort zu.

Die engagierte Journalistin von El MUNDO, Isabel Sebastián fragte vor einigen Tagen in einem Kommentar: „Warum sind sie nicht hinter Gittern?“ Jeder andere Spanier, dem Wirtschaftsvergehen in Milliardenhöhe (man spricht nicht mehr nur von Millionen!) nachgewiesen worden sind oder zumindest in Kürze nachgewiesen werden, wäre längst eingebuchtet worden, hätte den Pass  bei Gericht hinterlegen müssen oder eine millionenschwere Kaution aufgebrummt bekommen.  Señora Sebastián beendete ihre Überlegungen mit einem Gedanken, der einen schaudern lassen kann: „Man muss sich fragen, über  welch explosive Geheimkenntnisse die Familie  Pujol verfügt, dass sich die spanische Regierung nicht dazu aufraffen kann, diese Delinquenten aus dem Verkehr zu ziehen.“

Angelika Eisenführ

 

Sprüche

Die Arbeit soll dein Pferd sein, nicht dein Reiter.
Persisches Sprichwort

Man muss Gefallen finden an dem, was man tut. Es hat keinen Sinn, nur das zu tun, was einem gefällt.
Winston Churchill

 

Katalanische Legenden

(im Kasten: „Die Legende“, so formulierte  der berühmte französische Spötter Jacques Cocteau, „ist eine Lüge, die im Laufe der Geschichte zu Wahrheit wird“. Das mag stimmen oder auch nicht. Sicher ist nur,  dass die Weltgeschichte voll ist von  Legenden, Aphorismen, Anekdoten und anderen auf die Spitze getriebenen Feststellungen, die den grossen Vorteil haben, eingängig zu sein und uns das komplizierte Weltbild zu vereinfachen.)

 Vier Streifen
Batallas que con sangre han sido ganadas,
con sangre han de ser marcadas.
(Schlachten, die mit Blut gewonnen wurden,
müssen mit Blut gezeichnet werden).

Im Mittelalter gab es ständig Krieg zwischen den Nachbarvölkern. In Spanien fielen vom Norden her die Barbaren, vom Süden her die Mauren ein. So kämpften die Normannen gegen die Franken und zwar mit solcher Wut, dass  der Frankenkönig Karl der Kahle die Katalanen zu Hilfe rufen musste. Der Graf von Barcelona, Wilfred der Behaarte,  machte sich sofort an der Spitze eines starken Heeres auf in die Schlacht, wo seine Mannen sich so tapfer schlugen, dass sie mit vereinten Kräften  die Normannen in die Flucht jagten. Ja, sogar gelang es ihnen, den Feind bis auf den letzten Mann zu vernichten. Allerdings wurde Graf Wilfred von Barcelona in dieser Schlacht so schwer verletzt, dass man ihn in das Zelt des Frankenkönigs tragen musste. Kaum war das Gefecht zugunsten der fränkisch-katalanischen Allianz ausgegangen, begab sich der Frankenkönig zu dem noblen Katalanen, der übrigens nicht nur sein Kampfgenosse, sondern darüber hinaus auch sein Neffe war. Karl versuchte den Verletzten  zu trösten und aufzuheitern, indem er lang und breit über  diese Schlacht sprach,  die die beiden so erfolgreich beendet hatten. Er dankte dem Kranken überschwenglich für seinen Beistand und versicherte ihn seiner Dankbarkeit und Treue. Graf Wilfred seinerseits fühlte seine Lebensgeister schwinden und formulierte seinen letzten Willen: Karl möge alles für Katalonien tun, was in seiner Macht stünde, bat er. Vor allem möge er Katalonien eine Fahne geben, denn zu seiner Lebzeit hatte Wilfredo  nach eigenem Bekennen keine Lorbeeren errungen, die er mit goldenen Lettern auf seinem noch völlig unberührten Schild hätte verzeichnen können.

Der Frankenkönig lauschte schmerzbewegt und mit Tränen in den Augen diesen  Worten.. Seine Stimme  bebte, als er sich an den Verletzten wandte:  sei nicht ungerecht mit dir selbst, mein geliebter Neffe, sagte er.
Es ist erst wenige Augenblicke her, dass du diese Lorbeeren in gutem, fairem Kampf errungen hast, von denen du meinst, du hättest sie nie gehabt. Ein tüchtiger Ritter wie du konnte nichts anderes  tun als höchsten Männermut beweisen. Das hast du mit Bravour getan. Dein sind Ehre,  Glorie,  Triumph und Lorbeer! Das Blut, das so heftig aus deiner Wunde quillt, ist Blut des tapferen Kriegers, eines noblen Herrn mit edler Denkungsart..
Bei  diesen Worten tauchte Karl der Kahle, König der Franken, vier Finger seiner rechten Hand in die stark blutende Wunde des Grafen von Barcelona und  zog sie über den Schild des noblen Katalanen. Von diesem  historischen Moment  datiert die katalanische Fahne: vier rote  vertikale Streifen auf goldenem Grund. In edlem Streit erfochten durch das Blut des ersten  Grafen Kataloniens.

Aus dem Spanischen von Angelika Eisenführ

 

 

Wer mit dem Bauch denkt


Immer schon hatte ich Vorbehalte gegen Menschen, die mir  erklärten, sie  fällten ihre Entscheidungen „aus dem Bauch“. Oje, dachte ich mir jedes Mal, was soll dabei herauskommen, wenn jemand statt mit dem Hirn mit dem Darm denkt! Dass dabei am Ende nur etwas ziemlich Unappetitliches herauskommen würde, schien klar und so erhielten wir die Bestätigung dafür vor wenigen Stunden: Amerika liess sich mehrheitlich auf einen vulgären Volksverführer ein, einen total ungebildeten, rassistischen Clown, der noch nie ein öffentliches Amt in USA bekleidet  und statt Manieren nur Moneten vorzuweisen hat.

Das Volk liess sich willig als Verschiebemasse auf dem grossen Meinungsbahnhof manövrieren: Stimmung statt Wissen, Emotionen statt Überlegung... aber trotzdem jederzeit eine Meinung!

Wer mich seit Jahren in der deutschsprachigen Presse an der Costa Brava liest, wird sich erinnern, dass ich immer wieder für eine  Eignungsprüfung für Politiker eingetreten bin. Warum werden die Ämter auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene nicht auf der Grundlage von   Bewerbungen vergeben, nachdem Fachleute diese Bewerbungen gründlich überprüft und anschliessend ihre Stimme nach bestem Wissen und Gewissen für diesen oder jenen Kandidaten abgegeben haben?

Würde ein normaler Angestellter in seiner Firma sexistische Sprüche, Zoten und Beleidigungen ganzer Menschengruppen  von sich geben, wäre er seinen Job ziemlich rasch los.  In den USA scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Man bringt es dabei sogar zum Präsidenten!
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Die ausdrückliche Nachricht der spanischen Presse, bei Donald Trump handele es sich um einen Amerikaner deutscher Abstammung, treibt einem die Schamröte ins Gesicht.
AE

 

 

 

Sprache spielerisch 2

 

STARK

Ein simples Wort, möchte man meinen, denn stark ist fuerte, sogar beim Bier: ein Starkbier ist una cervez fuerte. Glauben Sie aber nicht, dass Sie damit den vollen Reichtum von Stärke ausgeschöpft hätten!  Das Buch, das 400 Seiten stark ist,  ist un libro que tiene 400 páginas. Stark kann auch gleichbedeutend mit massiv sein, dann heisst es macizo oder compacto. Ein starker Mensch kann gross sein = grande oder auch  kräftig = vigoroso.  Eine starke Erkältung  ist un resfriado fuerte, aber wenn Sie wegen schlechter Augen eine starke Brille brauchen, dann kaufen Sie gafas de alta graduación. (Beachten Sie, ganz nebenbei, die sprachliche Übereinstimmung unseres deutschen gaffen mit las gafas als Sehhilfe!) Bei schweren Krankheiten brauchen Sie starke Mittel = medicamentos enérgicos oder sogar drásticos. Haben Sie die eingenommen, sind Sie bald wieder auf dem Damm oder stark: cobrando fuerzas oder fortalecerse.
Das Wort dickwerden mag man neudeutsch nicht so gerne, man umschreibt es gerne als stark werden = engordar.  Eine starke (im Sinne von dicker ) Frau ist corpulenta und ihr Mann corpulento.
Die Natur mit ihrer Flora und Fauna, die Erde mit ihrer unterschiedlichen Materie geben Anlass, das Allerweltswort stark zu differenzieren, zumindest sehen das unsere sprachlichen Nachbarn so. Sie unterscheiden stark im Sinne von fest mit  sólido oder resistente,  rauhes und grobes  Gewebe ist  espeso oder recio.

Stark kann auch eine Zähleinheit sein: eine  dreihundert Mann starke Kompanie= una compañia de tres cientos hombres. Und da wir gerade bei Männern sind: ein starker Mann, auch im politischen Sinne ist un hombre fuerte. Ist die Macht dagegen nur vorgespielt, indem man den starken Mann markiert , sagt der Spanier hacerce el hombre  (den Mann machen) oder darse aires de valiente (sich den Anschein von Mut geben). Um so einen Menschen zu ertragen, braucht man starke Nerven = nervios de acero (Nerven aus Stahl).
Bei den Menschen sind die Spanier doch kleine machos: ein starker Charakter wird bei ihnen automatisch als carácter varonil beschrieben, also als männlicher Charakter. Als ob es keine starken Frauen gäbe!

Ein starker Esser und ein starker Trinker sind un gran comedor und un gran bebedor.

Im Herbst kommt erst starker Regen = lluvia torrencial , später ein starker Frost:  una helada intensa.

Gehen wir in Spanien ins Theater, finden wir dort ein starkes Orchester vor= una orquesta nmerosa  und der stark besetzte Saal ist la sala repleta. Ein stark besuchtes Lokal ist muy frecuentado oder concurrido.

Wenn Sie, liebe Leser, alle diese Redewendungen lernen und beherrschen, dann sind Sie stark in Sprachen: fuerte en idiomas. Sie glauben mir nicht? Das ist ja ein starkes Stück = esto es demasiado (das ist zuviel!)


 

Nationalfeiertag im Dauerregen


Spanien feiert am 12. Oktober nicht mehr die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus, sondern vor allem die Rückkehr zur Demokratie nach fast 40 Jahren Militärdiktatur unter General Franco.
Im zweiten Jahr der Übernahme der Amtsgeschäfte als Staatschef hatte der Nachfolger von König Juan Carlos, Felipe VI. für dieses Jahr einen weiteren Grund zum Feiern verkündet: an erster Stelle dieses Nationalfeiertages sollte Dank an das Militär stehen. Spanische Soldaten aller Waffengattungen sind ja inzwischen in Friedensmissionen überall in der Welt präsent: von Kosovo bis Mali in Afrika, im Irak und nicht zuletzt bei den vielfältigen Aktionen humanitärer Hilfe, militärischer Ausbildung in Drittweltstaaten und Bergung von Flüchtlingen aus dem Meer. Nationalfeiertag im Regen. Daher bezog sich ein wichtiger Teil des offiziellen Programms an der Plaza Neptún im Zentrum von Madrid auf eben diesen Dank an die Streitkräfte. Wie immer traten die Soldatenformationen in flottem Paradeschritt zu einem perfekten Bewegungsablauf an. Die rund 3000 Männer – darunter nur ganz wenige Frauen – in ihren historischen Kostümen konnten einem aufmerksamen Betrachter sehr viel über die spanische Geschichte vermitteln. Die gesamte Regierungsmannschaft war trotz des strömenden Regens erschienen, allerdings von den 17 Präsidenten der Autonomiegebiete wieder einmal nur 12: wie immer hatten Katalonien und das Baskenland die Einladung nach Madrid abgelehnt und auch der Chef von Podemos, Pablo Iglesias als Kommunistenfreund liess sich nicht blicken. Skandalöser war allerdings das Fernbleiben ausgerechnet der Bürgermeisterin von Madrid, Manuela Carmena. Nun ja, sie ist Altkommunistin und hatte in ihrer relativ kurzen Zeit im Amt schon mehrfach für gehobene Augenbrauen im Volk gesorgt. Verteidigungsminister Pedro Morenés nahm das  mit Fassung: „Niemand wird gezwungen, hierher zu kommen“, lautete seine lakonische Erwiderung auf die Frage einer Journalistin.
Es regnete in Kübeln von der ersten bis zur letzten Minute der einstündigen Militärparade. Trotzdem donnerte die Brigade „Aguila“ wie schon seit 1992 zur Weltausstellung in Sevilla über die Stadt und schrieb die spanischen Nationalfarben an den düsteren Himmel.
Don Felipe in der Galauniform des Oberkommandierenden des Heeres machte wie immer eine untadelige Figur, die Töchter Leonor und Sofia waren mit eigenen kleinen Regenschirmen angetreten und hielten tapfer durch. Und auch Doña Letizia, sehr elegant in einem enganliegenden schwarz-weissen Kleid mit passenden Pumps machte einen wahrhaft königlichen Eindruck.

Angelika Eisenführ