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Spanisch lernen mit Angelika



Ab jetzt können Sie in unregelmäßigen Abständen "Spanisch lernen mit Angelika" anklicken und sich weiterhin an diesem spielerischen Umgang mit Ihrer deutschen Muttersprache und der Sprache des Gastlandes erfreuen.


 

LUFT und ERDE

In unserem irdischen Jammertal haben wir es nach  uraltem  philosophisch-astrologischem Wissen mit den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde zu tun.

 

Heute betrachten wir einmal zweisprachig das allerwichtigste Element, das wir Menschen brauchen wie die Luft zum Atmen: el aire. Unsere feminine Luft ist im Spanischen männlich, man sollte es sich einfach so merken.

El aire caliente ist die Heissluft in der Technik, die auf vielen Feldern menschlichen Tuns Anwendung findet. Wenn Sie dagegen bei jemandem zu Besuch sind und es zieht wie Hechtsuppe, dann erwähnen Sie das bescheiden mit den Worten aqui corre mucho aire.

Un cambio de aires (im Plural!) ist eine Luftveränderung und damit auch im übertragenen Sinne so etwas wie ein Tapetenwechsel. Wenn der Spanier den braucht oder zu brauchen meint, erklärt er den Freunden: necesito un cambio de aires.

Gehen Sie vor die Tür, um frische Luft zu schöpfen = uno se va a tomar el aire, eine Redewendung, die noch aus der paradiesischen Zeit zu stammen scheint, als aire = die Luft gleichbedeutend war mit  f r i s c h e r  Luft.

Libre como un pajaro en el aire entspricht genau unserem Bild von frei wie der Vogel in der Luft. Al aire libre entspricht unserer deutschen Form: unter freiem Himmel, also nicht unter freier Luft. Man kann selbst mit einfachen Sätzen schief liegen, sodass man sofort als Ausländer erkannt wird.

El aire hat aber noch viele andere Bedeutungen, vor allem ästhetische. Gestalt, Aussehen und Anmut umfasst der Begriff: un aire de familia ist eine Familienähnlichkeit. Man liegt sicher nicht ganz falsch, wenn man in el aire noch die griechische Aura = den Hauch vermutet, also ebenfalls ein Lüftchen…..

 

Ziemlich negativ sind dagegen die Redensarten  darse aires de … = so tun als ob, etwas darstellen (was man nicht ist), zum Beispiel darse aires de grandeza = sich grosstun, sich wichtig machen.

 

El aire ist auch im Spanischen  als Grundelement allgegenwärtig und bedeutet unter anderem auch  Melodie, Weise, Lied,  sogar  Tanz: un aire popular ist eine Volksweise.

 

Von den luftigen Höhen zurück zur Erde = la tierra. La Tierra mit Grossbuchstaben ist unser Planet,  kleingeschrieben bedeutet la tierra Grund und Boden, Ackerland, literarisch auch die Heimat oder die Lande. Esta es mi tierra! Das ist meine Heimat!

 

Bei der Reiterei heisst der Befehl a tierra! = abgesessen, also runter vom Pferd, nicht etwa auf den Boden legen. Navegar a tierra ist allen Seglern ein Begriff: es bedeutet unter Land segeln, also so, dass man das Land noch sehen kann.

Navegar a tierra ist übrigens eine besonders hübsche Redewendung aus der Zeit der spanischen  Seebären, die die Neue Welt entdeckten: sie meint nämlich im übertragenen Sinne= etwas mit grösster Vorsicht tun.

Und wenn wir schon bei den schönen Sprachbildern sind, so sei noch erwähnt echarse la tierra a los ojos  (sich selbst Erde in die Augen werfen), was natürlich meint: sich ins eigene Fleisch schneiden.

Zum Schluss unserer hochfliegenden  Reise in die Luft kehren wir auf die Erde zurück. Die Stewardess im Flugzeug kündigt das mit den klassischen Worten an: en unos minutos tomaremos tierra en Barcelona  (seit es die Billigflieger gibt: wahlweise auch in Gerona).

= Wir nehmen Erde! Ist das nicht herrlich?

 


Gracias

 

Ein alltägliches Wort, werden Sie denken, liebe Leser, denn gracias, muchas gracias oder sogar das emphatische muchisimas gracias können Sie an jeder Ecke hören, zumindest wenn Sie unter Spaniern sind.

Trotzdem bedeutet gracia weit mehr als Dank, nämlich so viel wie Witz, Scherz, Anmut, auch Grazie. Decir gracias meint sogar, jemand bringt geistreiche Einfälle vor. Que poca gracia  dagegen das genaue Gegenteil: so etwas Dummes!

Noch stärker ist der Ausdruck que triste gracia! Es ist zum Heulen!

So wie gracia im positiven Sinne reizend, anmutig, drollig, spaßhaft meinen und bezeichnen kann, vor allem bei Kindern, zum Beispiel: que gracia de niña = was für ein reizendes Mädchen, so sagt no tiene gracia das Gegenteil aus: eine Sache ist entweder nichts Besonderes, oder – noch schärfer – sie ist ausgesprochen unangenehm. Man sagt es oft als Reaktion auf einen unguten Witz, der erzählt wurde: esto no tiene ninguna gracia.

Wenn man jemandem gehörig die Meinung sagen will, heißt es (eigentlich nicht ganz logisch) decirle a alguien dos gracias.

 

Selbst wenn Ihr Hund Männchen macht, kommt bei dem Spanier la gracia ins Spiel: hacer una gracia = Männchen machen.

 

La gracia hat darüber hinaus noch eine sehr ernste Bedeutung, nämlich die von Gnade, Verzeihung und Begnadigung. Wir alle kennen die Formel: König von Gottes Gnaden = Rey por la Gracia de Dios.

Früher hieß in Spanien sogar das Justizministerium Ministerio de Gracia y Justicia, das heißt, wenn man es genau betrachtet, daß das Recht zur Begnadigung noch über dem Prinzip der  Gerechtigkeit stand. Das lässt tiefe Rückschlüsse auf das Rechtsverständnis der jeweiligen Machthaber in diesem Land zu: jeder Militär, jeder Diktator und auch sicherlich mancher König in der Vergangenheit – nicht zu reden von der Inquisition  -  sah sich lieber in der Rolle des Herrschers, in dessen Händen die Gnade ruhte als in der Rolle eines unparteiisch Rechtsprechenden.

Un mensaje de gracia ist aber nicht, wie man leicht denken könnte, eine Benachrichtigung über eine erfolgte Begnadigung, sondern vielmehr eine Dankadresse und damit kommen wir wieder auf den ursprünglichen Wortsinn von gracia als Dank zurück.

Etwas de gracia  tun, heißt, es gratis, unentgeltlich, kostenlos tun. Tut man das, hat man alle Chancen caer de gracia =  zu gefallen, gute  Aufnahme zu  finden.

Ein sehr umgangsprachlicher Ausdruck ist  me hace gracia = es gefällt mir, es amüsiert mich.

Gracias a su ayuda …= Dank Ihrer Hilfe ….

Und zum Schluß einmal ein Ausdruck, der – was bei Redewendungen selten vorkommt,-  in beiden Sprachen gleich ist, denn  gracias a Dios entspricht genau unserem deutschen Gott sei Dank.

Gracias a Dios haben Sie auch dieses Spanischlektion gut überstanden und wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Vermehren der gewonnenen Einsichten!


LA PLUMA

 

Wir Journalisten haben natürlich ein ganz besonders inniges Verhältnis zum Schreiben, zum geschriebenen Wort und dafür brauchte die Menschheit viele Jahrhunderte lang la pluma = die Feder.  Das war vor  der Erfindung von Schreibmaschine und PC eine Vogelfeder und beim menschlichen Gebrauch dann ein Federkiel.  Una pluma de ave also eine Vogelfeder, una pluma de ganso ein Kiel oder eine Gänsefeder. Nun kann man sich eine Feder auch an den Hut stecken, dann hat man una pluma de sombrero.

Eine auf den ersten Blick nicht ganz einsichtige Redewendung heißt: hacer a pluma y a pelo

(wörtlich mit Feder und Haar etwas machen), was bedeutet: für alles brauchbar sein, geschickt sein. Abschätzig gemeint bedeutet dies aber auch: mit beiden Geschlechtern sexuell verkehren, bisexuell sein, weshalb uns dann nicht mehr wundert, dass la pluma auch den Schwulen, den Homosexuellen bezeichnet, natürlich nur in  abfälliger Umgangssprache.

Dejar las plumas hat zwei ganz verschiedene Bedeutungen, von denen nur die eine mit unserer deutschen übereinstimmt: Federn lassen im Sinne von Geld verlieren. Die andere Bedeutung des Spanischen dejar las plumas  ist viel prosaischer, nämlich: vom Bett aufstehen . Mudar las plumas bezeichnet einen natürlichen Vorgang: die Federn wechseln ist gleichbedeutend mit sich mausern. Vestirse de plumas ajenas entspricht genau dem deutschen sich mit fremden Federn schmücken.

Und nun kommen wir zum Zusammenhang zwischen Feder, Schrift und Bildung. Saber un poco de pluma bedeutet: eine gewisse Bildung haben und ser una buena pluma = ein guter Schriftsteller sein, auf Neudeutsch auch so etwas wie eine Edelfeder. Im weitesten Sinne also: dichterische Begabung haben. Ser la pluma de alguien heißt, jemandes ghostwrighter zu sein, ebenfalls Neudeutsch: sein Neger. Ein guter Schriftsteller schreibt ziemlich wahrscheinlich con elocuente pluma = in beredtem Stil. Keinesfalls sollte er aber dejar correr la pluma (die Feder laufen lassen) im Sinne von ohne Überlegung schreiben, drauflosschreiben.

Una plumada ist dann also ein Federstrich, ein Federzug und el plumaje das Gefieder der Vögel, ihr Federkleid. Aber auch der Federbusch, den manche britischen Soldaten am Helm tragen, heißt plumaje. El plumero ist nun  auch wieder ganz prosaisch ein Federbusch zum Abstauben,  ein Staubwedel, jenes Utensil, mit dem in alten Filmen die Hausmädchen in weißer Schürze herumfuchtelten. El plumero ist aber natürlich auch – sehr naheliegend – das Schreibetui, also das  Kästchen oder die Büchse, in der man seine Federn aufbewahrt.Davon unabhängig haben wir eine spanische Redewendung, die Sie sich merken sollten, denn man hört sie häufig, auch wenn der Zusammenhang zwischen einem Staubwedel und der gemeinten Bedeutung nicht offensichtlich ist: se le ve el plumero sagt: man erkennt seine / ihre Absicht oder einmal ganz  familiär ausgedrückt: Nachtigall, ick hör dir trapsen!

Sprachen lernen soll nicht mühsam sein, sondern Spaß machen. Deshalb ruhig auch einmal lachen oder schmunzeln. So prägt sich vieles leichter ein als beim Pauken.

 


 

 

El fondo

 

El fondo ist zunächst einmal der Boden oder der Grund: sei es beim Kofferboden, Kesselgrund oder Fassboden. Natürlich ist el fondo auch der Meeresboden, wer wüßte das in unseren Breiten nicht, donde fondean tantos barcos = wo so viele Boote  ankern, sprich am Boden festmachen.  Dar fondo heißt denn auch schlicht ankern. Analog zum Meer ist el fondo natürlich auch der Grund eines Flußbettes und insgesamt eine Mulde oder Talsohle. Ser de bajo fondo meint, dass ein Fluß oder ein Ufer seicht sind.

 

 In der Malerei ist el fondo – wie sollte es anders sein – der Hintergrund, auch die Grundfarbe und die Grundierung.

Und schon kommen wir ins Abstrakte  und später ins Philosophische, denn architektonisch ist el fondo de un edificio die Tiefe eines Gebäudes, wobei un fondo profundo eine große Tiefe beschreibt.

Auf den Menschen übertragen ist el fondo das Innere, seine Wesensart, im übertragenen Sinn das Wichtigste, das Wesentliche, der Inhalt oder Kern. Un fondo de virtud ist ein Besitz an Tugend, während un fondo de reserva ganz prosaisch eine finanzielle Rücklage, ein Notkapital meint. Sie werden das vielleicht in Ihrer Eigentümergemeinschaft bereits gehört haben: diese muß Rücklagen für spätere Gebäudereparaturen machen und diese heißen so.

 

Die Redewendung a fondo heißt natürlich zunächst einmal von Grund auf, gründlich, aber auch: energisch. Limpiar una casa a fondo meint ein Haus gründlich putzen, Großputz veranstalten. Emplearse a fondo bescheinigt einem Menschen,  dass er es gründlich macht, sich voll engagiert.

Ir al fondo zeigt an, dass man einer Sache auf den Grund geht.

 

Un fondador, un fondaminas, hier sind wir wieder auf See, ist als Schiff ein Minenleger.

Wir hatten gerade entlang der ganzen Costa Brava Besuch der spanischen Kriegsflotte: sie suchte in einer großangelegten Aktion nach Minen, die die Deutschen im Zweiten Weltkrieg versenkt hatten, um den Alliierten die Landung von Südfrankreich aus zu erschweren. Entsprechend heißt fondear  nicht nur Ankern im Sinne, dass man ihn in die Tiefe des Meeresbodens senkt, sondern seltsamerweise auch das Gegenteil: fondear kann auch heißen, etwas aus der Tiefe herausholen. Im übertragenen Sinne bedeutet fondear übrigens auch noch: etwas gründlich untersuchen und das reicht bis hin zur Zollinspektion eines Schiffes.

 

Zurück an Land finden wir el fondista und bei allem, was wir inzwischen über Tiefe und Grund  gehört haben, wundert es uns nicht, dass mit diesem Mann ein Langläufer, also ein Langstreckenläufer gemeint ist.

 

Negativ besetzt ist der Ausdruck los bajos fondos, damit ist nämlich die Hefe des Volkes, der Pöbel gemeint. Dagegen ist es positiv, wenn man von jemandem sagt: es hombre de buen fondo = er ist im Grunde kein schlechter Mensch.

 

Und dass el fondo auch jede Art von Fonds, Kapital, Stammvermögen oder Geld bedeutet, dass hatten Sie sich schon selber gedacht, nicht wahr?

Deshalb schließe ich für heute und begrüße Sie gerne im nächsten Heft.

Angelika Eisenführ


Auch beschimpfen will gelernt sein!

 

Ganze 480 Seiten  umfaßt das Wörterbuch der Beschimpfungen (Diccionario del Insulto), das drei  auf diesem Gebiet außerordentlich bewanderte Spanier herausgegeben haben: Juan de Dios Luque, Antonio Pamies und Francisco José Manjón.

Sie nehmen kein Blatt vor den Mund und wissen mehr als ein gewöhnlicher Sterblicher sich in einem ganzen Menschenleben aneignen kann, auch wenn er „dem Volk aufs Maul schaut“ und sich in Kneipen, auf Trödelmärkten und im  spanischen Nachtmilieu  herumtreibt.

 

Die häufigsten menschlichen  Tätigkeiten werden da in voller Breite dargestellt: essen und trinken beziehungsweise fressen und saufen und natürlich …na. klar, dasjenige, das die Welt seit Beginn in Gang  hält: Sex in allen Varianten.

 

Wer betrunken oder gar sturzbesoffen ist, der ist aborrascado. Darin steckt das Wort borrasca = Sturm oder Unwetter und der Vergleich läßt an ein Schiff denken, das im Unwetter hin und her schwankt.

Eine recht elegante Formulierung für den notorischen Alkoholiker ist  un acostumbrado, wörtlich: einer der es gewöhnt ist = in diesem Fall  den Alkohol. Da der Mensch auch an viele andere Dinge gewöhnt sein kann, also ein acostumbrado a … erkennt man nicht auf den ersten Blick, dass Trunksucht gemeint ist.

 

Wer dagegen abstemio ist, der trinkt niemals Alkohol und obwohl man das doch eigentlich begrüßen sollte, hat das Wort Abstinenzler im Spanischen auch einen negativen Anhauch im Sinne von langweilig.

 

Langweilig, das ist im weitesten Sinne aburrido. Wer schon etwas Spanisch kann, erkennt im Wort den burro = Esel. Langweilig wie ein Esel, aber dafür gibt es noch Steigerungen: aburrir a las ovejas, sogar die Schafe langweilen, das ist der Gipfel des aburrimiento = der Langweiligkeit.

 

Was den Sex betrifft, so entzündet er die Phantasie der Menschen  immer wieder neu. Am Schlimmsten trifft es natürlich die Schwulen, los maricas. Das sind die  de la acera de enfrente = die von  der anderen Strassenseite. Oder auch adamado , wobei das Wort dama = die Dame oder Frau  bedeutet. In die gleiche Richtung geht afeminado = ein femininer Mensch

Oder auch un ahembrado, wobei la hembra das Weibchen in der Tierwelt meint. Wenn Sie in Spanien einen Mann von seiner hembra reden hören, dann ist er ein primitiver Typ und meint seine Frau oder Freundin; im korrekten Spanisch sind nur Tierweibchen hembras – und die Männchen machos!

Die in einer Bar arbeitende Nutte heißt alternadora oder chica de alterne, wobei alternar ganz allgemein bedeutet: mit jemandem verkehren, Freundschaft oder Bekanntschaft pflegen.

Für Menschen, die beide Geschlechter mögen, hat der Spanier einen reizvollen Vergleich gefunden: Bisexuelle Leute nennt er anfibios (aus dem Griechischen anfi+bios = doppelt und leben) als Analogie zu den Tieren, die sowohl im Wasser wie auch  außerhalb des Wassers atmen können.

Und wenn wir schon bei den Tieren sind, so gilt animal als größte Beleidigung für einen Menschen. Bis zum nächsten Mal!

Ihre Angelika Eisenführ

 

 


Die Strasse

Natürlich ist die Strasse zunächst einmal la calle, so daß der Spanier sich oftmals bei der Briefaufschrift  das Wort calle spart und sogar in manchen Fällen  die noch übliche Abkürzung  c/. Das hat zur Folge, dass die hiesigen Briefträger ganz schön findig sein müssen, denn hierzulande haben viele  Strassen – vor allem in Barcelona – Namen von spanischen Städten,  zum Beispiel calle Tarragona, calle Valencia, calle Albacete undsoweiter. Die Briefe sollen doch schleunigst und direkt ankommen, oder?

Aber schon wenn eine Strasse mit Bäumen bestanden ist, wird sie sprachlich aufgewertet: dann ist sie  una avenida, una alameda oder neuspanisch:  un bulevar. Eine öffentliche Strasse ist una vía pública , eine Landstrasse in Spanien una carretera, in Lateinamerika dagegen verwirrenderweise un camino, während hierzulande  un camino ein Weg zu sein pflegt, eine zumeist  ungepflasterte Strasse. Eine Seestrasse im Sinne einer Meerenge ist un estrecho, zum Beispiel el Estrecho de Gibraltar, der so manchem Afrikaner bereits zum Schicksal wurde, als er auf schwankendem Holzboot nach Europa übersetzen wollte.

Hacer la calle heißt Prostituierte sein. Wird jemand mittellos auf die Strasse gesetzt = plantar a alguien a la calle. Hat jemand dagegen so viel Geld, dass er das Geld auf die Strasse werfen kann, so nennt man das malgastar dinero (Geld schlecht ausgeben) oder man benutzt das eindrucksvolle Bild echar la casa por la ventana = (das Haus aus dem Fenster werfen).

Es gibt ihn heute kaum noch, den Strassenausrufer = el pregonero. Allerdings hat sich diese historische Figur bis in die Strassenfeste Spaniens erhalten und als pregonero auserwählt zu werden, um mit einer befeuernden Ansprache diese Strassenfeste zu eröffnen (bekannt ist hier vor allem das des Stadtviertels Gràcia in der Oberstadt von Barcelonas), gilt als große Ehre.

Die Strassenbeleuchtung ist el alumbrado público und die fällt bei der Beurteilung durch die Bürger in das Gebiet der Strassenbeschaffenheit  oder des  Strassenzustandes = el estado de las calles y carreteras.

Der Strassenzoll oder die Maut ist el peaje und wirbelt zur Zeit wieder Staub auf: Katalonien verlangt  gerade jetzt wieder  Zollfreiheit auf seinen Autobahnen, weil andere Autonomiegebiete auch keine Maut zu zahlen brauchen. Die Strassenverkehrsordnung heißt  kategorisch: El Código de la Circulación  und kann durch keine andere noch so kühne Wortwahl aus dem Deutschen ersetzt werden.  Wir hier in Ampuriabrava haben eine ganz neue Strassenüberführung am Ortseingang erhalten: un paso superior. Das Gegenteil ist eine Strassenunterführung = un paso subterráneo oder auch un túnel.

Sollten Sie Strassenschuhe anhaben = zapatos de calle, dann sehen Sie zu, dass Sie nicht in eine Strassenschlacht geraten =  una lucha callejera. Auf die folgt meist eine Strassensperrung = una intercepción de la circulación. Hier verlagert sich sichtlich das Gewicht von der Strasse, die gesperrt wird auf den Verkehr, der unterbunden wird.

Was uns auch nach 40 Jahren in vielen Ortschaften schmerzhaft abgeht, das sind Strassenschilder = letreros de la calle.  Dagegen hat sich die Strassenreinigung = limpieza pública  sehr verbessert, nicht zuletzt durch den Einsatz von Reinigungsmaschinen = barrederas automóviles. Dadurch ist der Beruf des Strassenfegers, mit dem man früher seine Kinder bedrohte, wenn sie in der Schule nicht lernen wollten, geradezu ausgestorben: el barrendero. Anders dagegen der Strassenfotograf: ihn gibt es heute noch, el fotógrafo ambulante.

Bis zum nächsten Mal!   Ihre Angelika Eisenführ

 

 


 

Spanisch … die Zeit

Gerade die kleinen Wörtchen haben es in sich. Oder etwa nicht?
Nehmen wir nur die Zeit.  Klar, das heißt zunächst einmal el tiempo, wobei damit im Spanischen aber auch das Wetter  gemeint ist – sicher deshalb, weil das Wetter mit den Jahreszeiten zu tun hat, las estaciones del año. Zeit ist philosophisch gesehen zeitlos, nämlich unendlich, auch wenn wir Menschen oftmals keine Zeit haben, es eilig haben = ir aprisa oder tener prisa.
Ein Zeitalter ist una época, also eine Epoche, aber ein Zeitalter kann auch un siglo sein, ein Jahrhundert. Als Zeitraum (man beachte: Zeit und Raum in einem Wort!) haben die Spanier un período, aber die Sommerszeit  im Sinne von Saison ist la temporada.
Zeit kann auch eine Stunde sein = una hora. Die freie Zeit ist nüchtern-bürokratisch gesehen tiempo desocupado , im Sinne von erfreulicher Freizeit mit entsprechender Beschäftigung un rato de ocio.

Wenn man nicht an die Zeit gebunden ist = no correr prisa;  wenn es noch früh an der Zeit ist=  todavía es temprano.

Ein Vertrag kann auf Zeit abgeschlossen sein = contrato a término.  Ist er dagegen unbefristet, ist es un contrato indefinido. Auf der Höhe der Zeit sein = estar a la altura del día .

Kommt man zeitlich ungelegen, was jedem schon einmal passiert sein dürfte, so kommt er dem Spanier a deshora (wörtlich zur ‚Unstunde’) was eine ebenso geniale Wortschöpfung ist wie das spanische Gegenstück zu amor, der Liebe, nämlich el desamor, aber das nur nebenbei.
Diese Liebe, die man sich in grauer Vorzeit einmal für alle Zeiten schwor =para siempre jamás, die ist in Spanien übrigens ebenso aus der Mode wie im übrigen Europa.
Zu jener Zeit = en aquella época oder entonces. In neuerer Zeit dagegen  drückt der Spanier gerne mit hoch hergeholten Worten aus: en los tiempos modernos oder en la actualidad, womit er den neueren Zeiten eine Qualität gibt, die das deutsche Gegenstück mit seiner absichtlichen  Unschärfe nicht hat.

Soll man etwas tun, ohne Zeit zu verlieren, dann bitte sin périda de tiempo oder sogar en el acto.
Seit wie langer Zeit haben wir uns nicht gesehen? Desde cuando no nos hemos visto? Seit undenklichen Zeiten, seit einer Ewigkeit! = desde tiempos inmemoriales, desde una eternidad!

Die Herren der Schöpfung haben es lieber konkret (sofern Sie diese Seite überhaupt anklicken). Also da ist mal die Zeitabnahme beim Sport = el cronometraje.
Ein moderner Zeitansager ist un reloj parlante.
Eine Zeitbombe ist una bomba de relojeriía, eine harmlose Zeitersparnis un ahorro de tiempo.  
Ein Zeitfilm
kann überraschenderweise sowohl una película de actualidad sein wie auch una película de época, je nachdem, ob man die Zeit auf die Gegenwart oder auf die Historie bezieht.
Unser Menschenleben ist bestimmt davon, dass wir nicht ewig existieren, dass es der Zeitlichkeitunterliegt: der temporalidad.

Ihr Zeitgenosse ist un contemporáneo , ein seltsamer Zeitgenosse dagegen schlicht un tipo raro.
Wussten Sie das nicht? Du liebe Zeit!   Díos mío!
Bis bald! Ihre Angelika Eisenführ




Von SEGELN UND KERZEN

 

Plötzlich ist der Sommer da und mit ihm die Segelschiffe: los veleros. Die heissen im Spanischen deshalb so, weil la vela das Segel heisst, und zwar immer. Die verschiedenen Segeltypen wie zum Beispiel das Sprietsegel ist dann la vela de abanico, das Grossegel la vela mayor und das Besansegel ist la vela de mesana. Wir wollen Ihnen hier allerdings keinen Segelkurs erteilen, sondern Sie sprachlich etwas weiterbringen.
Die wörtliche Bedeutung eines Wortes kommt - bestenfalls! - an die figürliche Bedeutung heran, das wollen wir Ihnen an einigen Beispielen zeigen. Mit vollen Segeln kann man ausdrücken als a todas velas (mit allen Segeln) oder a velas llenas (das entspricht dann genau der deutschen Redewendung), aber auch mit a velas desplegadas, was wörtlich "mit entfalteten Segeln" heissen würde. Levantar velas = Segel setzen, ist für den Bootsportler so ziemlich das Normalste, was vorkommen kann, aber die übertragene Bedeutung im Sinne von plötzlich aufbrechen, sich davonmachen hat Pfiff.
Ebenso pfiffig ist tender las velas ("die Segel in den Wind spannen") in der figürlichen Bedeutung von "die Gelegenheit nützen". Nun will es aber der Zufall, dass la vela auch noch eine zweite, völlig andere Bedeutung hat, nämlich die Kerze oder ganz allgemein das Licht.
Wenn Sie abends auf Ihrer Terrasse sitzen und die blaue Stunde geniessen wollen, ohne dass die Mücken Sie auffressen, dann kaufen Sie im Supermarkt una vela anti- mosquitos .
Qualmt Ihnen ein Besucher die Bude voll, obwohl Sie selbst Nichtraucher sind, dann nehmen Sie una vela anti-tabaco.
Da die Kerzen zu Zeiten, als die Menschen noch religiöser waren, eine grosse Rolle spielten, gibt es auch hier eine Unzahl von Redensarten im übertragenen Sinn: encender una vela a Dios y otra al diablo heisst wörtlich, eine Kerze für den Herrgott anzünden und eine für den Teufel, aber gemeint ist etwas anderes, nämlich: auf zwei Sätteln reiten, also doppelzüngig sein.
Estar entre cuatro velas (sich zwischen vier Kerzen befinden) ist die bildliche Darstellung von tot sein, aufgebahrt sein.
Wesentlich schärfer ist die Redewendung nadie te da vela en este entierro (auf dieser Beerdigung gibt dir keine eine Kerze), was aber bedeutet: hier hast du nichts verloren!
Estar a dos velas meint pleite oder blank sein, aber tener la vela a alguien ist positiv: jemandem die Kerze halten meint präzise: jemandes Helfershelfer oder Komplize sein, ihm unter anderem auch in Liebesnöten beizustehen.
Und zum Schluss hat im Land des Stierkampfes la vela auch noch eine dritte Bedeutung: sie bezeichnet das Horn des Stieres.


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