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Der Wasserkrieg

wasserLaut dem spanischen Wetterdienst gehört Winter 2011/2012, der sein meteorologisches Ende am 29. Februar fand, zu den trockensten seit vierzig Jahren. Die Trockenheit ist und bleibt ein schwieriger Faktor auf der Iberischen Halbinsel. Die Natur leidet und der Landwirtschaft drohen enorme Ernteausfälle. Der Kampf um das kostbare Nass ist längst zu einem politischen Dauerbrenner geworden. Hinter den Kulissen schöner Urlaubsidylle wird mit harten Bandagen gefochten, geht es darum nicht ganz auf dem Trockenen zu sitzen

2008 stand Katalonien, im Nordosten der Iberischen Halbinsel, kurz vor dem Kollaps. Nach 22 regenarmen Monaten drohte das Land zu verdursten. Ängstlich war man von politischer Seite her bemüht den Tourismus die drohende Eskalation nicht spüren zu lassen. Mit einem zweistelligen Millionenaufwand versorgten riesige Tankschiffe Barcelona mit Trinkwasser, hitzige Debatten wurden geführt, Wasser aus dem Ebro über ein Versorgungsnetz abzuzweigen und in die katalanische Metropole einzuspeisen.

Entsalzungsanlagen könnten eine saisonale Trockenheit ausgleichen. Neunhundertfünfzig dieser Wasserfabriken existieren auf der Iberischen Halbinsel.  Paradoxe dabei: Die großen Anlagen verbrauchen so viel Energie, dass sie durch ein eigenes Kernkraftwerk betrieben werden müssen. Dadurch werden der CO2-Ausstoss, der Klimawandel und letztlich die Dürre weiter angekurbelt.

Die Erlösung kam wenige Tage bevor die Regierung die 180 Millionen – Euro-teure, sechzig Kilometer lange, Rohrleitung aus dem Ebro, beschloss. Der Himmel öffnete seine Schleusen und es regnet und regnete und regnete.

Vier Jahre später hat sich nicht viel geändert. Der landesweite, durchschnittliche Wasserverbrauch liegt bei 265 Liter pro Kopf. Europarekord! Die Landwirtschaft schluckt davon 80%. 14%  verbrauchen die Halshalte und 6% in die Industrie. Allein in Barcelona gehen täglich bis zu 800.000 Liter Wasser aufgrund von Leckagen verloren. 45% der Grundwasserförderungen gehen auf das Konto einer halben Millionen Brunnen, die Bauern quer durch das Land illegal betreiben. Die Regierung bleibt verhalten, man fürchtet um Wählerstimmen. Die Lobby der Landwirte ist hoch.

Überschwemmungsflächen der Flüsse werden bebaut, obwohl sie als Gemeindeland geschützt sind. Mancherorts wird soviel Grundwasser abgepumpt, dass Landstriche verwüsten oder salziges Meerwasser in die Grundwasserschichten eindringt. Der Tourismus  fordert neue Vergnügungsbereiche. 374 Golfplätze stehen ihm zur Verfügung. Ein jeder verbraucht soviel Wasser wie eine Kleinstadt.trocken

Laut der Europäischen Umweltschutzagentur (EEA) leidet Spanien europaweit am heftigsten unter der Erderwärmung. In den letzten einhundert Jahren verloren die großen  Flüsse bis zu 23% ihrer Wassermenge. Im gleichen Zeitraum ging die Niederschlagsmenge um 20% zurück. Spanische EU-Abgeordnete fordern in Brüssel Unterstützung. Wasserreiche Regionen in Spanien stellen sich hingegen taub, ihren durstigen Nachbarn zu helfen. Die spanische Regierung sieht sich dringlicheren Sorgen gestellt. So bleibt, wie alle Jahre wieder, Petrus Erbarmen die Dinge mit satten Sturzbächen „von Oben“ zu regeln.

 

 

 

Das grüne Blatt als Leitfaden

- Kinder lernen Naturschutz –

Man hört sie schon von weitem,die Horde  Erstklässler, wie sie da durch dieAiguamolls stapfen, um hautnah etwas von Natur und Naturschutz zu lernen. Ein grünes Blatt mit Fotos und der  Beschreibung verschiedener  Vogelarten haben die kleinen Jungen und Mädchen in der Hand und sie halten eifrig Ausschau, ob sie in der freien Natur ein Exemplar dieser Arten flattern sehen. Das geht natürlich nur mit viel  Geplauder, mit Rufen, Lachen und Witzchen untereinander ab.

Auch die jungen Lehrkräfte amüsieren sich bei dem  sommerlichen Gang durch den Naturschutzpark: zu sehen und zu kommentieren gibt es nach jeder Biegung der Wanderwege etwas. Bächlein rauschen, auch wenn es  eine elektrische Pumpe ist, die Wasser aus der Lagune namens Europa durchs Gelände schickt. Für die Kinder dennoch ein Erlebnis.  Viele sehen erstmals den Weissstorch kreisen,  der doch angeblich die Kinder von Paris nach Spanien bringt. Und gleich so viele Störche auf einmal!



In den Lagunen tummeln sich viele  Entenarten: farbenprächtig und  auffallend in seinem Gebaren  immer das Männchen, während das Weibchen sich still damit  begnügt, einfach nur da zu sein.

In China, so lernen die Kinder, sind Enten das Symbol für eheliche Treue – nie ist einer weit vom anderen weg, sie sind unzertrennlich. Und wenn „er“ auch gelegentlich den starken Mann markiert, was soll’s, bei den Menschen ist es doch auch nicht viel anders, mögen die Entendamen denken.

Dass viele Tiere einen sogenannten Herdentrieb haben, das lernen die kleinen Jungen und Mädchen bei dieser Exkursion ebenfalls: schaut nur die Kormorane an, ermuntern die „señus“, liebevolle Abkürzung für „Señorita“, wie man in spanischen Schulen die Lehrerinnen anspricht. Die Schwarzröcke  hocken immer in Gruppen auf ihrem schwimmenden Holzpfahl mitten im Wasser. Wenn dann ein ungewöhnliches Geräusch ertönt, ein Händeklatschen, ein Schuß oder ein aufheulender Motor in der Ferne, dann streichen sie ebenfalls in der Gruppe ab.  Einigkeit macht stark, scheinen sie zu denken.



Landeinwärts grasen  friedlich braune Kühe mit glänzendem Fell. Sie lassen es sich gefallen, dass  weiße Reiher ihnen buchstäblich auf dem Kopf herumtanzen und ihnen die Insekten aus dem Fell picken:  Nachbarschaftshilfe einmal anders.

Und das Schönste an einem solchen Lehrgang im wahrsten Wortsinn ist dann der Schluss:

 Picknick auf den  rustikalen Tischen  rund um den Eingang zum Naturpark.

Mal auf einer anderen als der Schulbank in das mitgebrachte bocadillo zu beißen, die Limonade durch den Strohhalm zu ziehen und später ein zünftiges Fußballspiel zu veranstalten, das ist auch für kleine Kinder der Inbegriff eines gelungenen Tages.

Und auf diese  spielerische Weise lernen die Jungen und Mädchen ,dass Tiere und Pflanzen gleichermaßen Respekt verdienen, dass wir Menschen nicht unbedingt die Krone der Schöpfung sind, sondern vielmehr ein Teil der gewaltigen Ordnung, die da Erde heißt.

Es ist erfreulich, dass sich das Umweltbewußtsein auch in Spanien bis in die Klassenzimmer durchgesetzt hat und man darf hoffen, dass in Zukunft noch viele Schulkinder durch die Auen streifen, um einen Tag lang in freier Natur Genuß und Belehrung gleichermaßen zu erfahren.

Angelika Eisenführ

 


 

 

Kampf an der Mückenfront

Der Bahia-Blick hat in diesem Frühjahr bereits mehrfach über den hartnäckigen Versuch des Servei de mosquits berichtet, den lästigen, Stechern den Garaus zu machen. Doch das ist einfacher gesagt als getan. Der Regen im April, gepaart mit den warmen Temperaturen, hat vor allem das Baix Empordà zu einer idealen Brutstätte der Mücken gemacht. Das Alt Empordà kommt in diesem Jahr im Vergleich besser weg, da es hier so gut wie nicht geregnet hat. Und wenn – dann eben nicht ausreichend genug – den mosquits eine behagliche Behausung bieten zu können.

So zeigt man sich derweil besonders kämpferisch in Castell-Platja d’Aro, wo sich eine Larvenpopulation in der Größenordnung von 60.000 Stück auf einem Quadratmeter, in Stellung brachte. Deren zukünftiges Ausschwärmen gilt es aktuell zu verhindern und die Bemühungen zeigen ihren Erfolg. Zumindest momentan ist die Dichte auf 13.000 pro Quadratmeter zurückgegangen. Unbedingt will man die Situation des vergangenen Sommers ein zweites Mal verhindern, als Millionen Mücken den Menschen die Abendstunden im Freien dermaßen verdarben, dass sich das Nachtleben dort eigentlich nur noch hinter verschlossenen Fenstern und Türen abspielte. Die Beschwerden waren massiv und offensichtlich nachhaltig.

Der Kampf gegen die mosquits ist ein mühseliges Unterfangen und läst unweigerlich an Don Quijote denken. Der kämpfte zwar nicht gegen Mücken sondern gegen Windmühlen, aber Rückschläge waren auch dem „sinnreichen Junker von der Mancha“ garantiert, die er unverdrossen tapfer weiter zu meistern versuchte. Ähnlich ergeht es auch Eduard Marquès, dem verantwortlichen Leiter des Servei de mosquits, wenn er  nüchtern, aber zuversichtlich, feststellt: „Es ist unmöglich, die Mücken auszurotten, aber wir töten sie alle.“

Eine Nachahmung sei durchaus empfohlen, vorbeugende Maßnahmen ebenfalls. Dazu gehört in erster Linie, der Mücke ein ungastliches Ambiente zu bieten. Wasseransammlungen in Regentonnen, alten Blumentöpfen oder sonstigen Behältnissen sind unbedingt zu vermeiden. Duftstoffe in Form von süßen Parfums mag auch der stechende Plagegeist, eine vorherige Vitamin –B- Einnahme (über mindestens zwei Wochen) allerdings ist ihm eher unangenehm. Möglichkeiten gibt es viele, den stechenden Angriff abzuwehren, ohne zu sehr die chemische Keule zu schwingen. Befolgt man sie, kann man dem sirrenden Feind entspannt entgegentreten.S.H.

 

Spaniens Bienensterben und die Hintergründe

Mehr denn je sind sie in diesem Jahr willkommen, die Bienenschwärme, die sich schon traditionsgemäß an der alten Basilika „Santa Maria“ in Castelló niederlassen. Dem Servei de Control de Mosquits, sind sie lieb gewonnene Gäste, die behutsam von dem Dach der Basilika entfernt, und zu einer Imkerei gebracht werden. Das rätselhafte Bienensterben, welches derzeit in Europa und Amerika die Menschen zu Recht mehr als beunruhigt, macht auch in Spanien die Runde. Imker beklagen – ähnlich wie in Deutschland – ein Massensterben unter den Bienenvölkern. Die Auswirkungen auf die Honigproduktion sind immens. Ganz abgesehen von den ungeheuren wirtschaftlichen Auswirkungen: Das Fehlen der Biene bringt die Landwirtschaft in ernsthafte Gefahr. Der Ernteerfolg von Kirschen, Äpfeln, Melonen oder Beeren hängt von der Bestäubung der Biene genau so ab, wie die Ergebnisse des Broccoli- oder Avocadoanbaus. Die Mandelernte, letztes Jahr in Katalonien durch die Unwetter im September auf ein Mindestertrag geschrumpft, ist abermals bedroht, dezimieren sich die Bienenvölker ungehindert weiter.

Katalonien liegt noch außen vor, schlimmer sieht es in Südspanien, Andalusien, aus. Ist man weltweit noch im Unklaren, was das Bienensterben letztendlich verursachen könnte, sind mittlerweile einige Erklärungen schon wissenschaftlich belegt. Die Trockenheit ist ein Punkt, der die Bienenvölker schwächt. 2003 war eines der heißesten und trockensten Jahre der Iberischen Halbinsel. Unter der Dürre litten auch die Bienen, nahezu 40% aller andalusischen Bienen starben in diesem Jahr. Viele Bienen gingen geschwächt in die Winterruhe, was einen weiteren Anstieg der Sterblichkeitsrate im darauf folgenden Jahr zur Folge hatte. Auch amerikanische Wissenschaftler bestätigen diese These.  Hingegen wird die Klimaveränderung nicht als unbedingter Negativ-Faktor angesehen. Auch von einem Phänomen kann nicht die Rede sein. Immer wieder gab es Jahre, in denen von einem erhöhten Bienensterben gesprochen wurde, auch in weit zurückliegenden Zeiten. Allerdings noch nie in diesem Ausmaß.

Pflanzenschutzmaßnahmen, insbesondere bei Rapspflanzen, stehen im Verdacht, nicht unbeteiligt zu sein, resistente Milben und deren erhöhte Virulenz, machen den Forschern Sorge, mit an der Sterblichkeit Schuld zu tragen. In Spanien kommt, neben der Trockenheit, auch noch der sorglose Umgang mit Imidacloprid hinzu, einem Pflanzenschutzmittel, welches aus gutem Grund in Frankreich bereits untersagt wurde, in Spanien aber massiv in den Sonnenblumenfeldern eingesetzt wird. Spanische Wissenschaftler weisen deutlich auf die Gefahr für das Nutztier Biene hin. Amerika und Spanien sind die Regionen, in denen Bienenzucht im großen Stiel betrieben wird. Daher erklärt sich auch die hohe Todesrate. Wenige, kleine Stämme kann man mit Glukose, Sojamehl – oder im Idealfall - mit Honig durchfüttern, bei großen Beständen geht das nicht mehr.

Monokulturen und vor allem genmanipulierte Nutzpflanzen bedrohen das Nahrungsangebot der Bienen. Nicht zu vergessen, die üblichen Krankheitserreger, die in einem Bienenvolk, mit einem geschwächten Immunsystem besonders leichtes Spiel haben. Spanische Untersuchungen vermuten „einen Mix aus Allem“, der die Biene bedroht. Und damit nicht genug, zu all dem kommt auch noch ein blinder Passagier aus Afrika, eingeschleppt über ausländische Bieneneinkäufe: Aethina tumida, der Kleine Beutenkäfer. Er kam auf diesem Weg vor 10 Jahren nach Nordamerika, wo er sich in einer rasenden Geschwindigkeit ausbreitet. Über Schiffstransporte gelangte er nach Australien. Vor 6 Jahren tauchte er in Ägypten auf, drei Jahre später meldete Portugal eine ernsthafte Bedrohung durch den Käfer. Die Larven fressen den Honig, die Pollen und die Brut, sie zerstören die Waben und verschmutzen den Honig. Innerhalb kurzer Zeit haben sie ein gesamtes Bienenvolk vernichtet. Chemische Mittel gibt es, die den Käfer vernichten, doch die vernichten die Biene gleich mit. 

So steht der Mensch abermals hilflos vor einem hausgemachten Problem. In Spanien fordern Naturschützer, Wissenschaftler und Forscher gleichermaßen ein Verbot des Einsetzten von Imidacloprid, sowie ein stärkeres Engagement seitens der EU, ökologische Bienenzuchten zu forcieren. Der Anbau von Monokulturen bedarf einer kritischen Überdenkung und der stetig wachsende Trend zu genmanipulierten Erzeugnissen, darf nicht auf Bienenkosten geführt werden.

Das auch in diesem Jahr les abelles, die Bienen, die Basilika von Castelló so frequentiert aufsuchen, ist ein gutes Zeichen für ein intaktes, natürliches Umfeld, so der Servei de Control de Mosquits und ein kleiner Hoffnungsschimmer, von dem weltweiten Bienensterben weiterhin verschont zu bleiben.
S.H.

 

 

Landwirtschaftsgehilfe „Igel“

Eine ganze Zeit machte er sich rar, in manchen Regionen, wie zum Beispiel am Flussdelta des Llobregat, hat man ihn – trotz intensiver Suche – noch nie entdeckt. Die Rede ist von Ateleix girus, dem Algerischen Igel. Nun scheint es, als habe er das Terrain des Baix Llobregat für sich entdeckt. Im Parc Agrari wurden die ersten Exemplare entdeckt, zur Freude der Landwirte, denn das Stacheltier vertilgt mit Vorliebe Insekten und Kleingetier, wie Käfer, Schecken, Heuschrecken und ähnliche Zeitgenossen, die die Bauern eher weniger gerne sehen. Die Projektgruppe Galanthus, die mit dem katalanischen Umweltministerium zusammenarbeitete, hat einigen der Igel kleine Sender angeheftet, um ihre Gewohnheiten zu studieren, und ihre Wege verfolgen zu können. Der Algerische Igel, den der Katalane wegen seiner hellen Fellfärbung im Kopfbereich eriço clar (heller Igel) nennt, kommt ursprünglich aus Nordafrika. Er ist ein Immigrant, der – im Gegensatz zu sonstigen tierischen Einwandern, die sich in erster Linie als Schädlinge oder stechendes Getier einen unbeliebten Namen machen – in Katalonien herzlich willkommen ist, und kann sich einer besonderen Fürsorge gewiss sein.
S.H.  

 

Den Preis für des Menschen Vergnügen zahlt der Bär

Jede Medaille hat zwei Seiten. In diesem Fall liegen Spaniens Bären auf der Schattenseite. Während man in Katalonien sich bemüht – mit französischer Unterstützung – den Bären wieder in den Pyrenäen anzusiedeln, wird er – Dank eines gigantischen Skiprojektes, in den Kordilleren nun vertrieben.

Schätzungsweise 130 Braunbären leben zurzeit in den Kordilleren. Mit Spannung verfolgen Naturschützer das Bärentreiben. Denn wie groß der Nachwuchs ist, der Mutter Braunbär jetzt auf dem Weg aus den Winterlagern begleitet, ist noch ungewiss. Doch all die Anstrengung dürfte in nicht allzu ferner Zukunft in Frustration umschlagen, denn in einer der schönsten Naturlandschaften von Kastilien und Leon, ist eine gigantischer Skipark geplant. Pisten von 50 Kilometer Länge werden ihre Schneisen in ein, bis dato unberührtes, Bärenparadies schlagen. 15 Liftanlagen sollen in Betrieb genommen werden, Parkplätze für 4000 Autos und mindestens 65 Reisebusse machen aus bunten Wiesenflächen eine öde Betonwüste. 100 Millionen Euro soll der zukünftige Skizirkus kosten. Die Heimat des Braunbären soll zu einem „Touristenpol“ werden.

International Association for Bear Research and Management, der 700 Fachleute aus 50 Ländern angehört, sowie die Organisation Large Carnivore Initiative for Europe de la Unión Internacional, die höchste wissenschaftliche Organisation zur Erhaltung der Umwelt, haben ihre größten Bedenken gegen das Projekt ausgesprochen. Doch ob das noch nützen wird, ist mehr als fraglich. Zu hoch ist der erhoffte Gewinn in klingender Münze, als dass der Bär eine Chance hat. In Form eines niedlichen Plüschtiers ist ihm die menschliche Aufmerksamkeit gewiss. In der Realität sieht das leider anders aus.
S.H.


Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Weinlese

Eine Studie der Universität Virgili (URV) hat ergeben, dass der Beginn der Weinlese in Katalonien, Jahr für Jahr nach vorne rückt. In den Regionen Conca de Barberà, Baix Penedès und Terra Alta hat sich in den letzten 35 Jahren die Temperatur systematisch langsam erhöht, während zeitgleich die Regenmenge sich reduzierte. Zwei sichere Warnzeichen eines agierenden Klimawandels, wie die Studie eindringlich vermerkt. Als Beispiel wurde unter anderem aufgeführt: 1971 startete die Traubenernte in Sarral (Conca de Baberà) am 30. September. 2006 dagegen, begann man mit der Lese bereits am 5. September. Pro Jahr hat sich der Beginn der Weinernte um 0,63 Tage nach vorne verlagert. Das entspricht einer Vorverlagerung von 20 Tagen, in 35 Jahren. Ähnlich sieht es im Penedès aus, hier beginnt die Ernte mittlerweile 19,2 Tage eher und Terra Alta verlagert in den letzten Jahren die Ernte seit 1986 um 0,5 Tage pro Jahr nach vorne.

Óscar Saladié, der Leiter der Studie, ist sich sicher einen Zusammenhang zwischen Klimawandel und Ernteverschiebung, zu erkennen. Insbesondere die Regionen im Landesinneren sind von einem Anstieg der Temperaturen betroffen. An den Küstenregionen sind, bedingt durch die Nähe des Meeres, die Temperaturen milder. In diesen Regionen verlagert sich die Reifezeit der Trauben nicht ganz so weit nach vorn.

Die Studie hat weiterhin festgestellt, dass sich im Landesinneren die Temperaturen pro Dekade um 0,6 Grad erhöht haben. In Küstennähe sind es 0,4 Grad. Zeitgleich sank die Regenmenge. Saladié wies daraufhin, das gleich geartete Studien in Frankreich, Portugal, Italien, Amerika und Südafrika zu ähnlichen Ergebnissen geführt haben. Woraus man schließen muss, dass dies in den kommenden zehn Jahren zu erheblichen Veränderung in der Winzerbranche führen wird, sowohl in der Weinlese, als in den Traubensorten, dem Anbau und dem Vertrieb.
S.H.

 

Bärenstarker Erfolg

Diesseits wie jenseits der Pyrenäen arbeiten Katalanen und Franzosen Hand in Hand, die Region wieder ihren Ureinwohnern zugänglich zu machen. Wolf, Luchs und Bär sollen sich hier wieder heimisch fühlen. Am 17. Mai 2006 wurde die aus der Slowakei eingeführte Bärin „Hvala“ auf der französischen Seite ausgesetzt. Am vergangenen Montag wurde sie in den Wäldern von Melles, drei Kilometer vom Vall d’Aran, entdeckt. Und sie war nicht allein: Zwei kleine Bärenkinder streiften mit ihr gemeinsam durch die Region. Die Freude auf französischer wie auf katalanischer Seite war groß. Offensichtlich hat das Projekt „Bärenumzug“ Früchte getragen.

Im letzten Jahr hatte Frankreich zu Hvala noch drei weitere Bärinnen und einen Bären in den Pyrenäen ausgesetzt. Nur wenige Wochen danach, im August 2006, kam der erste Rückschlag. Bärendame Palouma überlebte eine Verletzung nicht. Umso schöner ist die Nachricht über den bärigen Nachwuchs. Es scheint, als habe zumindest Hvala, sich gut in ihrer neuen Heimat eingelebt.
S.H.

Ab in die Freiheit

Tortuga de l’Albera, die einheimische Landschildkröte, hat sich 2006 unter reger Anteilnahme vieler Schulkinder auf den Weg in die Freiheit gemacht. Sie alle kamen aus der Aufzuchtstation in Garriguella, 215 an der Zahl. Weitere 202 sollen ihnen folgen. Noch sind sie zu klein, sind sozusagen noch im Krabbelalter, denn sie sind noch recht junge Exemplare erfolgreicher Zuchtbemühungen. Der Naturpark von Garraf bietet ein neues Zuhause für die Panzerträger. Dort sollen sie sich in aller Ruhe beheimaten. Die Chancen stehen gut, denn Fressfeinde hat die Schildkröte nicht. Eier und Jungtiere hingegen, können zum Beispiel Ratten zum Opfer fallen. Aber die Schildkröte wirkt dem entgegen, indem sie etwa zwei bis drei Gelege mit ca. sechs Eiern produziert. So wird der Verlust akzeptabel. Gute Chancen also für den katalanischen Panzerträger.

Sein schwimmender Kollege hat es da schwerer. Auch hier bemüht sich die Aufzuchtstation in Garriguella, aber die Beheimatung in der Freiheit gestaltet sich als schwierig. Der Katalane hat leider seine Vorliebe für exotische Haustiere entdeckt. Schlangen, Kaimane, Spinnengetier, Echsen und auch Schildkröten finden vermehrten Absatz in den Zoohandlungen. Die anfängliche Euphorie wandelt sich häufig in Unbehagen. Etwa dann, wenn aus dem niedlichen kleinen Reptil, ein beachtliches Exemplar geworden ist. Nicht selten werden diese dann in freier Natur entsorgt. So auch die Florida- Schmuckschildkröte. Sie schwimmt derweil in beachtlicher Anzahl in katalanischen Gewässern herum. Der Immigrant ist größer und robuster als die einheimische Wasserschildkröte. Ungalant ist der Amerikaner auch, er schnappt der kleinen Katalanin das Futter weg, und verdrängt sie von den wichtigen Sonnenplätzen.

Problem Nummer zwei ist der Mensch. Auf sein Konto gehen Umweltverschmutzung und Rücksichtslosigkeit. Umso größer ist die Freude, dass immer wieder kleine Populationen den Schritt in die Freiheit schaffen. An der unteren Flussmündung der Ter ist das zu beobachten, ebenso in mehreren Weihern und kleinen Seen im Baix Empordà. S.H.

 

SPANIEN VERSCHÄRFT DIE GESETZE ZUM SCHUTZ DER NUTZ - UND VERSUCHSTIERE

Die Auflagen betreffen zum einen den Viehtransport: In der kürzesten Zeit, die machbar ist, mit einer ausreichendes Versorgung von Wasser und
Futter so wie Pausen für die Tiere, so sollen zukünftig die Viehtransporte durch Spanien aussehen. Kontrollen werden verschärft eingesetzt, ein Zuwiderhandeln wird mit Geldstrafen zwischen 6000 und 10000 Euro geahndet.
Zum zweiten betrifft die neue Regelung den Umgang mit Versuchstieren in den unterschiedlichen Laboren. Überflüssige Tierversuche, schlechte Haltung der Tiere in Form zu kleiner Käfige in unbeheizten Räumen, werden ebenfalls mit Geldbussen zwischen 6000 und 10000 Euro bestraft. Auch hier verstärken sich die Kontrollen.
Tierquälerei im Allgemeinen, wir hatten bereits darüber berichtet, wird genauso bestraft, wie das Zuschauen oder aber auch bewusste Wegsehen.
Spanien passt sich damit endgültig an die Bestimmungen der Europäischen Union an, die seit 2004 in Kraft getreten sind. Immer wieder hatte es Verzögerungen in der Umsetzung gegeben. Die Zeiten, in denen man Tausende von Kühen, Schafen, Eseln, Pferden und anderen Nutztieren in elenden Umständen in Viehtransportern durch Spanien fahren sah, sind somit hoffentlich endgültig vorbei.